Aus aktuellem Anlass – wie gestaltet sich unser Leben auf einer Segelyacht in der Coronakrise?

Gepostet von

Unser Blog hängt zeitlich noch etwas der Aktualität hinterher. Im letzten Blogeintrag berichten wir von der Zeit Anfang Januar als wir von Antigua nach Martinique gesegelt sind. Da uns viele Anfragen erreichen wie es uns in der aktuellen Situation geht, machen wir jetzt einen Sprung und geben Euch ein kurze Zusammenfassung wie die letzte Woche für uns verlaufen ist.

Zuerst ist zu sagen, dass es uns hier wirklich gut geht. Natürlich befinden wir uns in einer sehr komfortablen Situation. Wo möchte man lieber einen Hausarrest absitzen als auf einer Segelyacht in der Karibik?

Aber der Reihe nach:

Letzte Woche waren wir im Hotel weil escape in der Werft war um ein neues Antifouling und eine Politur des Rumpfes zu bekommen. Anfang der Woche hatten wir noch den Eindruck, dass Martinique möglicherweise von der Krise etwas verschont bleibt. Es gab nur drei Infizierte, zwei Kreuzfahrftpassagiere und eine Person die gerade aus Frankreich zurückgekehrt war. Es schien alles unter Kontrolle. Wie viele andere haben auch wir die Auswirkungen der Krise unterschätzt. Ich hätte nie gedacht, dass dieses Virus es schafft ganz Europa zum Stillstand zu bringen.

Wir waren jeden Tag in die Werft und haben die Fortschritte bei escape beobachtet, soweit lief hier alles noch normal.

Freitag morgen hören wir von einem österreichischen Ehepaar beim Frühstück im Hotel, dass sie zwar erst am Vortag angekommen sind aber am nächsten Tag schon wieder fahren müssen um rechtzeitig heimzukommen bevor Österreich die Grenzen dichtmacht. Auch von verschiedenen Karibikinseln hören wir jetzt, dass sie die Grenzen schliessen. Noch vor einigen Wochen waren wir in Grenada. Jetzt dürfen dort keine Segler aus Deutschland mehr einreisen, unabhängig davon wo sie sich in den Wochen vor der Einreise befunden haben; ebenso Barbados wo wir davor waren. Langsam wird es ernst. Jetzt bekommen auch wir die Auswirkungen der Coronakrise zu spüren.

Freitag mittag kommt escape planmässig zurück ins Wasser.

Für das Wochenende haben wir ein kleines Hotel im Nordwesten von Martinique gebucht um auch diesen Teil der Insel kennenzulernen. Das Hotel (link siehe unten) ist in einem alten Plantagenhaus untergebracht und hat einen wunderschönen Blick hinunter zum Meer.

Am nächsten Morgen besuchen wir St. Pierre, die frühere Hauptstadt der Insel(mehr dazu in einem der nächsten Blogbeiträge) . 1902 wurde die Stadt bei einem Vulkanausbruch komplett vernichtet. Damals kamen dort an einem Tag 30.000 Menschen ums Leben. Während wir durch en Ort laufen ist es relativ leer. Sind das die Auswirkungen von Corona?

Bevor wir ins Hotel zurückfahren möchte ich noch kurz in einen Supermarkt um Mineralwasser zu kaufen. Dort sind überall lange Schlangen an den Kassen. Die meisten Leute haben ihre Einkaufswagen bis obenhin vollgepackt. Als ich die Frau in der Schlange hinter mir frage bestätigt sie meine Vermutung. Nein es ist Samstagnachmittags nicht immer so voll, das sind die Auswirkungen des sich auf auf Martinique weiter verbreitenden Coronavirus. Im Hotel lese ich nach, dass Martinique jetzt 7 Infizierte hat. Bezogen auf die Anzahl der Bevölkerung ist der Prozentsatz der Infizierten damit halb so hoch wie in Deutschland. Es wird auch diskutiert ob demnächst Schulen, Restaurants und Ähnliches geschlossen werden. Abends geniessen wir noch einmal das sehr gute Essen in der Brasserie, die zum Hotel gehört. Die Inhaberin sagt uns, dass sie noch nicht weiß was am nächsten Tag ist, alle paar Stunden bekommt sie neue Infos.

Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug zur Halbinsel Caravelle. Beim Wandern in der Natur gibt es kein Infektionsrisiko. Wenn uns jemand entgegen kommt halten wir brav Sicherheitsabstand.

An den Stränden der Halbinsel und in den Restaurants ist sehr viel los, die Einwohner von Martiniques geniessen offensichtlich Ihr Wochenende am Strand. Als wir nach unserer Wanderung auch einkehren, erfahren wir allerdings dass die Restaurants heute den letzten Tag geöffnet haben. Morgen wird entsprechend der Anordnung der Regierung geschlossen.

Montag morgen checken wir wie geplant frühmorgens im Hotel aus. Um 8.30h sind wir mit den Mitarbeitern des dortigen CNB Stützpunktes verabredet um die weiteren Arbeiten am Boot zu koordinieren. Heute stehen unter anderem der Service für Generator und Wassermacher auf dem Programm. Als wir in Hafen von Le Marin ankommen sind die beiden auch dort, aber nur um uns mitzuteilen dass ihre Firma wie auch alle anderen in Frankreich bis auf Weiteres geschlossen ist. Damit hatten wir nicht gerechnet, da in Deutschland die Firmen ja weiterhin arbeiten.

Was machen wir jetzt? Ganz einfach: warten. Jeder der escape’s Skkipper kennt weiß, dass Geduld nicht unbedingt seine Stärke ist und Warten auch nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Aber in den nächsten Wochen wird er das wohl lernen müssen…

Da die Arbeiten erst mal gestoppt sind bringen wir escape wieder auf Vordermann (putzen, Polster wieder ins Cockpit, etc…). Danach müssen wir dringend einkaufen. Da unser Kühlschrank kaputt war und wir zwei Wochen nicht an Bord waren, haben wir so gut wie gar keine Vorräte mehr.

Im Supermarkt sind riesiege Warteschlangen an den Kassen, viele Regale sind leer. Wir bekommen noch genug um uns in den nächsten Wochen zu versorgen. Aber später hätten wir auch nicht kommen dürfen. Im zweiten Supermarkt lassen sie uns gar nicht mehr rein. Hier darf nur noch eine beschränkte Anzahl an Kunden im Laden sein.

Am nächsten Tag wird es dann noch etwas heftiger: in Frankreich gilt offiziell eine Ausgangssperre. Wir dürfen das Boot nicht mehr verlassen außer um Lebensmittel zu kaufen. Dabei muss man ein Formular mit der Adresse mit sich führen, so dass ggf. bei einer Kontrolle überprüft werden kann ob man auch wirklich den kürzesten Weg genommen hat. Andernfalls drohen Bussgelder.

Jetzt haben wir also Hausarrest. Da wir uns auf unserer escape aber sehr wohl fühlen ist es nicht wirklich schlimm. Natürlich würden wir lieber weiter segeln, aber das ist ein kleines Problem verglichen mit dem was viele andere jetzt durchmachen.

Hier verbringen wir unseren Hausarrest

Noch vor einem Jahr habe ich selber 10 Stunden am Tag in meinen Apotheken gearbeitet. Jetzt sitze ich hier auf unserer Boot in der Karibik während frühere Kollegen an vorderster Front mit den multiplen Herausforderungen des Coronavirus kämpfen.

Bis vor einem Jahr habe ich hier gearbeitet – Um sich gegenseitig zu schützen wurden jetzt Schutzscheiben installiert

Ich bin mir bewusst, wie gut es uns geht und wieviel Glück wir haben dieses Leben auf unserer escape genießen zu können. Ich wünsche allen viel Kraft diese Krise zu durchleben. Wir können nur hoffen, dass die Massnahmen greifen und es vielleicht doch nicht so lange dauert bis wieder ein bisschen Normalität einkehrt.

Bleibt gesund und haltet durch, alles Liebe wünscht die Crew der escape 😘😘😘

Auch nach der dunkelsten Nacht geht am nächsten Morgen wieder die Sonne auf.

Relevante Links

Hotel Domaine de Saint Aubin, Trinité, Martinique

Ein Kommentar

  1. Da habt ihr noch mal Glück gehabt… zwei Tage später hätte evtl. nicht mal der Kran funktioniert um Euch zurück ins Wasser zu heben…! Genießt es, ich hätte jetzt auch lieber Home Office aufm Boot 🙂
    Liebe Grüße
    Luca

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.