Nebelfahrt mit Happy End

Gepostet von

Nachdem wir die Seal Bay bei strahlendem Sonnenschein verlassen haben, sehen wir genau vor uns eine Nebelbank­čś▓. Das ist er also, der ber├╝chtigte Nebel von Maine.

Wir schalten den Radar ein, ich blase das Nebelhorn. Genau dort, wo unsere Passage zwischen mehreren kleinen Inseln hindurch f├╝hrt, ist der Nebel besonders dicht. Auf dem Radar sieht es bedrohlich eng aus.

Die kleine Ortschaft Stonington bleibt uns leider verborgen. Man sieht lediglich die Fischerboote, die davor ankern.

Danach wird der Nebel noch einmal dichter. Wir tasten uns langsam weiter vor. Ich beobachte den Radar. Volker navigiert und achtet auf Fischerbojen, soweit man diese ├╝berhaupt noch sehen kann. Auf dem Radar sehe ich, dass uns ein Boot entgegenkommt. Ich gebe Signal mit dem Nebelhorn. Wir sehen das Boot auf dem AIS(Automatic Identification System) von daher sollte es uns auch sehen. Vorsichtig fahren wir weiter; es ist gerade genug Platz um aneinander vorbeizukommen.

Pl├Âtzlich schiesst das Motorboot von Backbord (links) direkt auf uns zu. Anstatt an der Backbordseite zu passieren, auf der er sich befindet, (was auch den Regeln entspr├Ąche) kreuzt es direkt vor uns die Spur. Der Skipper geht sofort in den R├╝ckw├Ąrtsgang. Ich halte mich nur noch fest und h├Âre im Geiste schon den Aufprall der beiden R├╝mpfe­čś▒. Zwischen beiden Booten sind nur wenige Meter Platz als er kurz vor uns durchgeht. Wir sind v├Âllig geschockt­čś«. Der Skipper muss sehen, dass er das Boot wieder in die Spur bekommt, denn hier gibt es Untiefen und nat├╝rlich die allgegenw├Ąrtigen Fischerbojen, auf die wir in dieser Situation nicht mehr achten konnte. Aber die Kr├Ânung kommt noch. Der Skipper des anderen Bootes br├╝llt Fl├╝che und w├╝ste Beschimpfungen hin├╝ber. Das ist die H├Âhe­čśí! Er ist f├╝r die Sichtverh├Ąltnisse viel zu schnell gefahren, hat weder auf sein AIS noch auf Schallsignale geachtet, hat im entscheidenden Moment falsch reagiert und jetzt beschimpft er uns auch noch. Was f├╝r ein Idiot. Jetzt verstehe ich was gemeint war, als ich in einem amerikanischen Segelmagazin ├╝ber einen Segelt├Ârn in Maine von den sogenannten „Ma(i)niacs“ gelesen habe(„maniac“ ist das englische Wort f├╝r „Verr├╝ckter“). Wir brauchen noch einen Moment um das zu verdauen. Selbst der Skipper, den sonst nichts aus der Ruhe bringt ist nachhaltig geschockt. Letztendlich haben wir viel Gl├╝ck gehabt. So schnell h├Ątte unsere Reise mit escape zu Ende sein k├Ânnen.

Langsam fahren wir weiter. Wobei man sagen muss, dass dieser Ma(i)niac die Ausnahme war. Alle anderen Boote , die uns entgegenkommen, fahren vorsichtig und halten Abstand.

Dann lichtet sich der Nebel und wir k├Ânnen wieder die spektakul├Ąre Landschaft Maines bewundern.

Sp├Ąter beobachten wir noch eine Regatta, dabei hatten wir doch heute schon genug „Action“.

Langsam n├Ąhern wir uns unserem heutigen Zeil, der Bucht von Bar Harbor.

Das merkw├╝rdige Schiff mit den vielen Masten wird dort f├╝r Tagesausfl├╝ge genutzt.

Als wir in Bar Harbor ankommen, winkt uns bereits die Crew der Flora, die dort an einer Boje liegt. Sie haben Kaffee, Tee und selbstgebackene Muffins vorbereitet. Wir m├╝ssen nur noch ins Dinghy springen. Wow­čĄę, das ist toll. W├Ąhrend wir im Cockpit sitzen berichten wir von unseren Erlebnissen und freuen uns, dass der Tag so gut zu Ende geht. Es h├Ątte auch ganz anders kommen k├Ânnen.

Am n├Ąchsten Morgen ├╝berrascht uns Ralf von der SY Flora mit diesem Bild von escape, dass er (genau wie das Titelbild von diesem Artikel) fr├╝h morgens geschossen hat.

Zum Fr├╝hst├╝ck gibt es Pfannkuchen mit Blaubeeren, die uns die Flora-Crew gestern vom „Farmers-Market“ mitgebracht hat. Lecker­čśő Toll, dass wir solche Segler-Freunde haben.

W├Ąhrend die Flora weiterf├Ąhrt, lassen wir es erst einmal langsam angehen. In den letzten 24 Stunden haben wir wieder extrem viel erlebt. Jetzt wollen wir uns in aller Ruhe Bar Harbor anschauen, welches zu den ber├╝hmten amerikanischen Segeldestinationen geh├Ârt.

3 Kommentare

  1. Warum muss ich jetzt an den Film meiner Jugend “ The Fog – Nebel des Grauens“ denken?

    Immer wieder sch├Ân, eure Berichte in der Fr├╝h zu lesen.
    Ein neues Ziel auf meiner “ must see“ Liste.
    Viele Gr├╝├če aus Bayern, wo die Segelsaison seit 2 Wochen zu Ende ist

    Gef├Ąllt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  ├ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  ├ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  ├ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  ├ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.