escape ruft Kriegsschiff

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Tag 1 der Atlantik-Passage nach Antigua

Nach einem turbulenten Start ist escape unterwegs nach Antigua. Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir mit den anderen Salty Dawg Booten die Chesapeake Bay.

Auf dem Wasser ist Einiges los. Mit uns sind nicht nur Frachtschiffe unterwegs. Die US Navy, die in Norfolk eine große Basis hat, führt genau in dem Gebiet wo wir herfahren, Übungen durch.

Ein Kriegsschiff ist genau voraus. In regelmässigen Abständen fordert es die anderen Schiffe auf mindestens drei Seemeilen Abstand zu halten. Auf meine Nachfrage sagt der Skipper, dass unser Abstand ausreichend gross sei. Auf einmal schallt es aus dem Funkgerät „escape, here warship 7“!😮
Ich melde mich. Freundlich fordert mich der Funker des Kriegsschiffes auf nach Steuerbord auszuweichen, da sie gerade eine Übung mit Hubschrauber und Hovercraft(Luftkissenfahrzeug) durchführen. „Klar“ sage ich und wiederhole brav, dass wir nach Steuerbord (in Fahrtrichtung rechts) ausweichen. Ist zwar nicht unser Kurs aber ich werde bestimmt nicht mit einem amerikanischen Kriegsschiff diskutieren.

Aber ich habe meine Rechnung ohne den Skipper gemacht. Nachdem wir ein paar Minuten auf dem angegebenen Kurs gefahren sind, will er nicht weiter nach steuerbord fahren zumal das Kriegsschiff gerade seinen Kurs ändert und genau auf uns zufährt. Der Skipper meint, ich solle das Kriegsschiff anfunken und ihm erklären, dass wir nicht weiter nach Steuerbord fahren und ihn gegebenenfalls auf der anderen Seite passieren. Wie stellt er sich das denn vor? „Hallo Kriegsschiff, hier ist die kleine Annemarie von der escape, bitte macht mal Platz für uns“🤣🤣🤣 Ich kriege die Krise. Aber was bleibt mir anderes übrig? Der Beginn einer achttägigen Passage ist ein schlechter Zeitpunkt für Meuterei. Also funke ich noch einmal: „escape ruft warship7“. Vorsichtig frage ich ob es nötig ist, dass wir weiter auf dem geänderten Kurs fahren. Glücklicherweise ist der Funker nett und geduldig und meint es wäre OK; zur Not könnten sie auch ausweichen. Glück gehabt!😅 Während wir im gebührendem Abstand an warship 7 vorbeifahren beruhigen sich meine Nerven langsam wieder. Für heute hatte ich genug Aufregung. Erst haben wir kurz vor dem Start unsere komplette Törnplanung über den Haufen geschmissen und jetzt muss ich mich mit einem Kriegsschiff auseinandersetzen.

Wir setzen Segel, lassen aber den Motor mitlaufen. Später reicht der Wind dann zum Segeln aus.

Gegen Abend schläft der Wind wieder ein, so dass wir die Segel einholen müssen und wieder unter Motor. fahren. Wir erleben einen schönen Sonnenuntergang.

Meine erste Nachtwache ist angenehm, denn die Sicht ist gut. Vor zwei Tagen hatten wir Vollmond🌕. Der Mond strahlt hell am Himmel.

Tag 2 der Passage nach Antigua

Wie immer bei Passagen ist es für mich der schönste Moment wenn morgens die Sonne aufgeht. Wir fahren noch eine Weile unter Motor, später segeln wir. Der Wind ist allerdings sehr instabil und variiert zwischen 7 und 16 Knoten (Windstärke 3 und Windstärke 5). Später wird er wieder schwächer. Wir rollen die Genua ein. Das Queren es Golfstroms verläuft unerwartet unspektakulär. Wir haben einen ruhigen Tag und lesen viel. Auch heute geniessen wir den Sonnenuntergang auf dem Atlantik.

Als der letzte Lichtschein am Horizont verschwunden ist, umgibt uns tiefschwarze Nacht. Man sieht nichts mehr. Einige Sterne stehen am Himmel, aber heller wird es dadurch nicht. Viele Segler, unter ihnen auch der Skipper, empfinden Ozeansegeln in der Nacht als besonders schön und beschreiben es als intensives Naturerlebnis. Ich gehöre eher nicht dazu. Mir ist es unheimlich, wenn escape in die Nacht fährt und ich überhaupt nicht sehe, was wir vor dem Bug haben. Glücklicherweise hat der Mond ein Einsehen mit mir. Als er um 2100h aufgeht wird es deutlich heller. Ich kann wieder einen Horizont erkennen☺️. Ich glaube es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Mondaufgang so intensiv erlebe.

Relevante Links

Luftkissenfahrzeug

4 Kommentare

  1. Eine Begegnung mit einem Kriegsschiff habe ich (zum Glueck) noch nie gehabt. Und zum Ausweichen bin ich hoechstens einmal in der Nacht vor Ostende von einem Fischer gezwungen worden. Der kam vierkant – wie man so sagt – auf uns zu und hat dann ganz unerwartet, aus welchem Grund ist mir absolut unerfindlich – alle, aber auch wirklich alle, Lichter abgeschaltet! Man konnte ihn nur noch schemenhaft als Schatten vor den Lichtern an der Kueste erkennen. Da ist mir aber ganz anders geworden. Dieses Gewimmel von Fischrbooten, die staendig ihren Kurs aendern und Haken schlagen, weil zehn oder mehr Boote hinter einem einzigen Dorsch herjagen!

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