Einklarieren in Antigua in Zeiten von COVID

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Als wir nach der turbulenten Passage in English Harbour den Anker fallen lassen, sind wir zwar an unserem Ziel angekommen, aber noch nicht offiziell in Antigua eingereist. Erst müssen noch eine Menge Formalitäten erledigt werden. Endlich habe auch ich einmal einen aktiven Part bei diesem Törn.

Auf noonsite hatte ich gelesen, dass auf jeden Fall empfohlen wird, die Antigua Port Authority anzufunken sobald man die Gewässer von Antigua erreicht. Diese habe ich mehrfach versucht, aber es hat nie jemand geantwortet.

Der offizielle Einklarierungshafen für Segelyachten in Antigua ist momentan English Harbour. Wenn man ankommt ankert man zunächst mit der gelben Quarantäneflagge in der Bucht. Dann ruft man per Funk Nelsons’s Dockyard. Auch wenn man nicht vorhat in die Marina zu fahren, ist der Dockyard, der erste Ansprechpartner, da das Team die Gesundheitskontrolle an Bord der Yachten koordiniert. Wichtig für Segler zu wissen: In Nelson’s Dockyard läuft der gesamte Funkverkehr auf Kanal 68, nicht wie sonst üblich auf 16. Für uns ist glücklicherweise alles sehr komfortabel. Die Ketch Roxy liegt als Empfangskomittee der Salty Dawgs in der Bucht vor Anker. Alle Neuankömmlinge werden freundlich begrüßt und bekommen eine genaue Anleitung was sie tun müssen. Dafür bin ich sehr dankbar. Nach den Belastungen der letzten Woche habe ich das Gefühl, dass ich noch nicht wieder klar denken kann😅.

Schritt 1: Funkkontakt

Gegen 16.10h funke ich den Dockyard an, erst einmal kommt keine Antwort. Der Skipper denkt natürlich gleich, dass dies an einem Bedienfehler meinerseits liegt. Tatsache ist, dass die Büros schon geschlossen haben. Irgendwann meldet sich jemand und erklärt uns, dass heute nichts mehr passiert. Im Laufe des nächsten Vormittags soll dann der Health Officer zu uns an Bord kommen. Der Dockyard will sich morgen bei uns melden. Für mich ist das völlig OK. Ich will mich nach der langen Passage einfach nur erholen, ordentlich duschen und dann endlich zum ersten Mal seit 8 Tagen wieder in meinem Bett schlafen. Der Skipper dagegen fühlt sich ausgebremst, aber da muss er jetzt wohl durch.

Am nächsten Morgen sitzt mein Mann auf heissen Kohlen. Wenn es nach ihm ginge, würde ich alle halbe Stunde die Marina anrufen und fragen wo der Health Officer bleibt😂. Er muss sich erst wieder an das karibische Tempo gewöhnen.

Während wir warten läuft die SY Gerty ein. Jill steht am Steuer. Ich rufe zu ihr herüber: „Schön, dass ihr da seid. War das nicht eine furchtbare Passage?“ Später beim Rum-Punch erzählt sie mir, dass diese Bemerkung sie sehr aufgeheitert hat. Auch Jill hat diese Überfahrt als extrem herausfordernd erlebt (Link zu ihrem Blog siehe unten).

Schritt 2: Gesundheitsprüfung
Gegen Mittag kommt der Health Officer zu uns an Bord. Er ist sehr freundlich. Allerdings wundert er sich, dass er uns die Formulare hinlegt und der Skipper einfach weggeht. Ich erklöre ihm, dass wir eine strikte Aufgabenteilung haben und der Skipper sich nicht mit Papierkram befasst. Das ist für ihn OK, zumal ich die meisten der Formular bereits vorher ausgefüllt habe und ihm diese direkt ausgefüllt vorlegen kann.

Zunächst muss jeder an Bord eine Gesundheitserklärung ausfüllen.

Ausserdem müssen alle über die Körpertemperatur der letzten 14 Tage Buch führen. Die Salty Dawgs haben hierfür ein Formular der Gesundheitsbehörde von Virginia verwendet, dieses wurde auch von unserem Health Officer für gut befunden

Eine wichtige Voraussetzung ist natürlich der negative COVID Test. In den USA war das sehr einfach. Man kann den Test im Internet bestellen, zu Hause durchführen und wieder zurückschicken. Nach ein paar Tagen bekommt man dann im Web-Portal das Ergebnis. Wenn man aus anderen Ländern der Karibik einreist ist dies sicherlich schwieriger.

Der Health Officer ist mit der Crew der escape zufrieden. Da er weiß, dass alle Salty Dawgs schon in Hampton vor der Abfahrt striktes social distancing betrieben haben, müssen wir keine weitere Quarantäne machen. Jetzt dürfen wir mit dem Dinghy zum Einklarieren in den Hafen fahren. Ich frage ihn extra noch einmal, ob ich das übernehmen, darf auch wenn ich nicht der Skipper bin. Er meint das sei OK. Zum Abschluss machen wir noch ein Erinnerungsfoto.

Schritt 2: Einklarieren
Mit dem Beiboot fahren wir zu Nelson’s Dockyard. Die Büros sind dort in den historischen Gebäuden untergebracht. Ich bin gespannt. Schon im letzten Jahr, ohne COVID, war das Ein-und Ausklarieren in Antigua extrem umständlich. Mal sehen wie es dieses Mal läuft.

In Antigua und Barbuda arbeitet man mit dem eSeaClearSystem, einer Internetseite, wo man vorab seine Informationen bezüglich der Ein-oder Ausreise eingeben kann. Theoretisch muss der Zollbeamte diese dann nur noch aufrufen. Ich habe im System unsere Einreise schon angemeldet, die Crewdaten sind hinterlegt. Als Datum habe ich den heutigen Tag eingegeben, der an dem wir einklarieren. Dies war ein Fehler. Da wir gestern schon angekommen sind, ist das gestrige Datum richtig. Man könnte meinen, dass die Beamtin das einfach im Computer ändern könnte. Leider geht das nicht. Ich muss mich selber wieder einloggen, das Datum ändern und mich dann wieder anstellen. Und noch einen Fehler habe ich gemacht. Das Einklarieren darf nur durch den Skipper erfolgen. Auch mein Hinweis, dass ich den Health Officer eben noch gefragt habe, ob ich das Einklarieren übernehmen dürfe, nutzt nichts. Ich muss zurück und den Skipper holen. Na der wird sich freuen. Ausserdem erklärt sie mir, dass ich unbedingt eine ausgedruckte Crew Liste benötige. Das erschliesst sich mir nicht, denn die Crew Daten sind ja im System hinterlegt. Welchen Sinn macht es eine online Anmeldung auszufüllen, wenn man nacher doch alles in Papierform benötigt? Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass wir im letzten Jahr eine ausgedruckte Crew List hatten, aber das hilft mir jetzt auch nicht.

Also zurück an Bord und alle Änderungen machen. Dann darf der Skipper sein Glück versuchen. Als er fast eine Stunde weg ist mache ich mir Gedanken. Wie wird wohl seine Laune sein wenn er zurückkommt? Er hatte noch einmal ein Problem und dieses Mal habe ich wirklich einen Fehler gemacht: im System war noch meine alte Passnummer vom letzten Jahr hinterlegt. Es ist sofort aufgefallen, dass diese nicht mit dem vorgelegten Pass übereinstimmte. Das war dämlich. Aber jetzt ist alles OK. Trotz der langen Wartezeit ist der Skipper guter Dinge. Er freut sich schon auf das Anlegebier im Hafen.

Was noch wichtig ist: In Antigua benötigt man ein Formular des letzten Hafens, wo man ausklariert hat. Dies ist für Boote, die direkt aus Amerika kommen, ein Problem, da die USA standardmässig kein Ausklarierungsformular erstellen. Auch hier haben die Salty Dawgs vorgesorgt. Für die ausländischen Boote hat extra ein freiwilliger Mitarbeiter der Salty Dawgs, die Funktion des Yachtagenten übernommen und für alle Boote die Formulare beim Zoll besorgt. Für die amerikanischen Salty Dawg Boote, wurde vorab eine Liste übermittelt , und eine Ausnahmegenehmigung erwirkt.

Schritt 3: Wir sind drin
Jetzt drückt der Skipper auf die Tube. Er möchte in die Marina. Obwohl wir sonst gerne vor Anker liegen wollen wir diese Mal in den Hafen um escape nach der Passage wieder auf Vordermann zu bringen. In Nelson’s Dockyard legt man mit Anker und Heckleinen an. Diese Manöver habe ich noch nie gemacht. Der Skipper erklärt es mir ausführlich. Tatsächlich klappt alles problemlos. Wir legen neben der SY Fatjax, die einen Tag vor uns angekommen ist, in Nelsons Dockyard an.

Am Dock treffe ich Michael den Skipper der SY Gerty. Sie hatten Glück, da der Health Officer schon einmal da war, hat er die Gerty gleich mit geprüft so dass sie keine Wartezeit hatten. Aber auch er wurde von den Zollbehörden einmal zurückgeschickt.

Wir belohnen uns erst einmalig mit einem Drink und einem leckeren Snack im Antigua Yachtclub. In den nächsten Tagen werden wir uns ausgiebig erholen und die arme escape wieder fein machen.

Fazit
Wenn man bedenkt, dass viele Länder der Karibik nach wie vor überhaupt keine Yachten einreisen lassen, hat in Antigua alles gut geklappt. Ich muss mir an die eigene Nase fassen: Natürlich ist es unumgänglich alle Formulare und Papiere korrekt auszufüllen und sich an die Regeln zu halten, auch wenn es mir nicht immer logisch erscheint. Und wenn man einmal drin ist erwartet einen in Antigua ein karibisches Paradies mit türkisfarbenem Wasser, feinen Sandstränden, tollen Wanderwegen, einer interessanten Historie und speziell in Nelson’s Dockyard einer Vielzahl an guten Restaurants unterschiedlicher Küchen und Kategorien. Darauf freuen wir uns jetzt😊🍹.

Relevante Links

Noonsite über Antigua und Barbuda

eSeaClear

Artikel der SY Gerty über die Passage

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