Aufregung beim Ausklarieren

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Um 5.30h klingelt der Wecker ⏰ . Ja auch wir können nicht immer ausschlafen 😉. Heute ist viel zu erledigen, damit wir morgen Richtung Bahamas aufbrechen können.

COVID Test auf der Strasse
Zuerst steht der COVID-Test an.  Um kurz nach h 7.00h sind wir die ersten am COVID Testzelt.

Es ist eine Drive-In Test-Station. Die Mitarbeiter fragen uns verwundert, ob wir kein Auto haben, aber es geht auch so. Wir sind schell fertig. Das Problem ist nur, dass die Proben erst heute Abend um 5.00h eingesammelt und zur Auswertung gebracht werden. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Wir brauchen das Ergebnis schnellstmöglich um damit das Health-Visum für die Einreise in die Bahamas zu beantragen. Ob das alles so klappen wird wie ich mir das vorstelle?🤔 . Jedenfalls sind wir froh, dass wir so früh waren, mittlerweile hat sich eine lange Autoschlange am Testzelt gebildet.

Taxifahrt mit Hindernissen
Als nächstes steht Ausklarieren auf dem Programm. Ich rufe wieder in der Taxizentrale von Ponce an, die Mitarbeiterin kennt mich mittlerweile schon. „Wohin soll es diesmal gehen?“ fragt sie. „In die Calle Bonaire“ sage ich. „Ah Calle Buenos Aires“ sagt sie. Nein nicht „Buenos Aires“, wie die Stadt in Argentinien, sondern „Bonaire“ wie die Insel in der südlichen Karibik. So geht das mehrmals hin und her. Schliesslich hat sie es verstanden. Als der Taxifahrer kommt, nenne ich ihm unser Ziel: „Calle Bonaire“. Er fährt los.

Laut Google Maps soll die Fahrt zehn Minuten dauern. Als wir nach Ablauf dieser Zeit durch ein Wohnviertel mit Einfamilienhäusern fahren wundere ich mich. Hier soll das Zollbüro sein? Der Skipper liest ein Straßenschild: Calle Buenos Aires. Oh nein🤦‍♀️ , nicht schon wieder! Ich erkläre dem Taxifahrer noch einmal das Problem mit den ähnlich klingenden Strassennamen. „Calle Bonaire“ hat er noch nie gehört. Kein Problem, es gibt ja Google Maps, sollte man meinen. Ich zeige ihm die Route auf unserem Telefon. Bis zur gesuchten Adresse sind es nur einpaar Minuten Fahrt von hier. Aber der Taxifahrer weigert sich. Calle Bonaire hat er noch nie gehört, da fährt er nicht hin. Meine Bitte doch einmal auf mein Handy zu schauen wird ignoriert. Er ruft bei der Taxizentrale an. Sie diskutieren lange hin und her. Schliesslich kann ihn die Dame aus der Zentrale davon überzeugen, entsprechend meiner Anweisung von Google Maps zu fahren. Man merkt, dass der Skipper und ich nach mittlerweile zwei Jahren Blauwasser-Leben total tiefenentspannt sind. In unserem früheren Leben hätten wir uns über diese Kombination aus Inkompetenz und Sturheit richtig aufgeregt. Aber so rede ich nur freundlich auf den Taxifahrer ein, während der Skipper unbeteiligt mit seinem Handy beschäftigt ist.

Als wir an der Adresse des CBP (Custom and Border Protection) angekommen sind, sieht dort alles sehr verlassen aus. Der Taxifahrer will schon gar nicht halten und murmelt er hätte ja gleich gesagt, dass hier nichts sei. Ein einsames rosafarbenes Kolonialhaus ohne Schild, Klingel, oder Ähnliches steht dort. Ich steige aus, um mir das näher anzuschauen. Während ich noch unschlüssig vor der Tür stehe wird sie plötzlich geöffnet.

Bange Minuten beim CBP
Ein Wachmann macht auf und tatsächlich das Zollbüro des CBP ist hier. Nur einer darf hinein kommen. Der Skipper bleibt draussen. Ich sitze in der Eingangshalle des riesigen Gebäudes. Als der diensthabende Beamte kommt, übergebe ich ihm meine sorgfältig vorbereiteten Dokumente. Ich bin gut vorbereitet, so denke ich. Der Beamte fragt mich, wo wir seit dem Einklarieren in Culebra gewesen sind. Wahrheitsgemäss zähle ich unsere Ankerplätze auf. Er runzelt die Stirn und fragt mich, ob ich diese Ankerplatzwechsel gemeldet hätte. Wie gemeldet? Davon wusste ich nichts. Seine Miene verfinstert sich zusehends. Er erklärt mir, dass jede Bootsbewegung von einer Region in die nächste gemeldet werden muss. Ja sage ich, dass kenne ich vom USA-Festland. Aber das gilt doch nur für Wechsel von einem Staat in den nächsten? Wir haben Puerto Rico doch gar nicht verlassen. Nein sagt er, auch innerhalb Puerto Ricos muss man die Ankerplätze melden. Da wir das nicht gemacht haben, droht jetzt eine Strafe von 5000 US Dollar.

Oh je😲, Angst steigt in mir hoch. Mein Herz schlägt bis zum Hals. Vorsichtig versuche ich ihm zu erklären, dass ich davon wirklich nichts wusste. Ich habe nichts darüber gelesen oder von anderen Seglern gehört. „Unwissenheit schütz vor Strafe nicht“ auch das bekomme ich zu hören. Ich versuche krampfhaft ruhig zu bleiben.

Es geht eine Weile hin und her. Ich gelobe Besserung. Er erklärt mir, dass er nicht unbedingt diese drastische Strafe verhängen möchte, vielleicht würde er es bei einer Verwarnung belassen. Möglicherweise hat er Mitleid mit dem Häufchen Elend was vor ihm sitzt? Er nimmt meine Unterlagen und verschwindet in der oberen Etage des Gebäudes, während ich arme Sünderin auf meinem Stuhl beim Pförtner sitzen bleibe. Der Skipper bekommt von alledem nichts mit. Er sitzt draußen und checkt seine Emails. Ich schicke ihm eine WhatsApp um die Lage zu erklären. Auch mit der San Giulio-Crew schreibe ich. Sie haben einige Tage vor uns in Culebra einklariert und ebenfalls nichts von einer Meldepflicht in Puerto Rico gehört.   

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt der Beamte zurück. Er wirkt jetzt etwas freundlicher. Er hat ein dreiseitiges Dokument dabei: das ist die Verwarnung, die ich unterschreiben muss. Dafür muss ich keine Strafe zahlen. Ich atme auf😅, Glück gehabt.

Während ich so lange da sass habe ich überlegt. Beim Einklarieren hatte ich gefragt ob es noch etwas zu beachten gäbe, oder wir noch etwas machen müssten, ausser bei der Abreise auszuklarieren. Dies wurde verneint. Als ich das meinem Gegenüber hier in Ponce mitteile sagt er, das würde er prüfen. Dann zeigt er mir einen Karte mit verschiedenfarbigen Regionen und Telefonnummern. Ok, warum hat man uns das nicht beim Einklarieren gezeigt? Oder warum habe ich es nicht auf der Webseite des CBP von Puerto Rico gefunden?

Die verschiedenen Regionen des CBP in Puerto Rico

Egal, Hauptsache ich bin glimpflich davon gekommen. Ich bedanke mich noch mehrfach, dass er hat Gnade walten lassen und mache, dass ich durch die Tür komme. 

Draußen wartet der Skipper. Völlig aufgelöst berichte ich von meinem Erlebnis. Mein Puls ist immer noch auf Hochtouren.  Der Skipper bleibt entspannt. Es ist doch alles noch eimal gut gegangen. Ja der hat gut reden. Zwischenzeitlich hatte der Beamte auch damit gedroht das Boot an die Kette zu legen. Da hätte ich ihn hören wollen.

Weiter geht’s
Es dauert wieder eine Weile bis uns das Taxi findet um uns abzuholen, aber darüber kann mich mich jetzt nicht mehr aufregen.

Sobald wir bei escape angekommen sind gehen wir Anker auf und fahren in die große Bucht von Boqueron an der Westküste von Puerto Rico. Von dort möchten wir morgen mit dem ersten Tageslicht Richtung Bahamas aufbrechen. Sobald der Anker gefallen ist, rufe ich als erstes beim CBP an und melde -wie mir geheissen wurde- unsere Bewegung von der Süd- an die Westküste.

Unser letzter Ankerplatz in Puerto Rico: Bahia Boqueron

Praxistipp
Der ideale Ort für das Ausklarieren wenn man Richtung Westen möchte ist sicherlich die Marina Pescaderia in Puerto Real. Mittlerweile ist sie offizieller „Port of Entry“. Man kann dort bequem ein- und ausklarieren, auch wenn man nicht in der Marina liegt sondern davor in der Bucht ankert. Als ich mit der Maria telefoniert habe, war der Mitarbeiter am Telefon sehr freundlich, aber er war mit mir einer Meinung, dass escape für diese Bucht leider zu viel Tiefgang hat.
Mehr dazu gibt es im Blog der SY Flora

Ich frage mich wie das andere Segler erlebt haben. Bin ich die Einzige, die von der Meldepflicht nichts gewusst hat?

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17 Kommentare

  1. Was für ein Erlebnis! Wie gut, dass alles nochmal gut gegangen ist. Ich hab mir so beim lesen gedacht, na, ob die nicht einfach nur ein kleines „Trinkgeld“ haben möchten, aber schlussendlich deutet nichts daraufhin. Schlechter Informationsfluss, kann man da nur sagen. Es gibt Situationen, für die kann man nichts. Das war sicherlich so eine.

    Der Skipper hat dich aber entspannt alles regeln lassen, was? 😉 Ich wäre schon nach der Taxifahrt fertig mit der Welt…

    Liebe Grüße und gute Fahrt!
    Kasia

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  2. Oh je! Andere Länder, andere Sitten. Jedes Land hat seine eigene Verfahrensweise. Gut, dass ihr mit einem „blauen Auge“ davon gekommen seid. Einem „Normalo-gestressten“ hätte das den Puls wirklich auf Touren gebracht. Weiterhin gute Fahrt. Liebe Grüße Petra

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  3. Zitat von Noonsite: „It is also necessary to phone the freephone number when moving from one district to another. A personal visit will not be required unless departing Puerto Rico.
    There are four districts, North, South, East, and West. The East district is based in Fajardo and covers Puerto Rico East coast and the Spanish Virgin Islands.“
    (https://www.noonsite.com/place/puerto-rico/formalities/)
    Gruß aus Costa Rica, Micha

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  4. Oh Mann, das ist ja schon krass. Hattest bei unseren Treffen gar nichts davon erzählt! Auch wir, die Crew der INVIA, hatten in Culebra einklariert.
    Wir wurden dort zunächst nur schief angeschaut weil wir die App CBP Roam nicht genutzt hatten. Aber die App funktioniert bei mir nicht. Ich habe zwar erfolgreich einen Account angelegt und unsere Pässe mitsamt Visum erfolgreich hochgeladen. Laut App gibt es damit keine Probleme, aber sobald ich dann versuche unsere Einreise zu melden kommt ein eigenartiger „unable to find language id“ Fehler.

    Wir wurden daraufhin „normal“ einklariert, wobei man nachträglich auch unseren formalen overstay korrigierte. Denn als wir letztes Jahr die US Virgins verließen, wurde zwar INVIA ausklariert. Nicht aber wir als Person sodass wir formal noch immer in den USA waren. Nach einiger Diskussion hatte man dann unseren letztjährigen Einreisestempel in Antigua als Ausreisedatum aus den USA angesetzt.

    Ich erhielt zudem ein cruising permit – aber von einer Meldepflicht innerhalb Puerto Ricos wurde mir nichts gesagt!

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    1. Ich vergaß über die Ausklarierung zu berichten, Euer eigentliches Problem: Das ging per Fax von der Marina Puerto Real, dort lagen wir am Steg.

      Keine Frage warum wir uns nie gemeldet hatten – haben wir nämlich auch nicht. Ging wie ihr davon aus: Ist ja alles Puerto Rico.

      In der Mona Passage hat uns dann die US Coast Guard aufgegabelt und per Funk eine ganze Reihe von Daten erfragt. Wollten recht viele Details wissen war aber am Ende alles kein Problem und ging alles per VHF.

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    2. Hallo, gestern als ich den Artikel geschrieben habe, ist mir eingefallen dass ich Euch noch danach gefragt haben wollte. Dann war ich also nicht die Einzig die nichts von der Meldepflicht wusste.
      Die App beim Einklarieren hatte bei uns auch nicht funktioniert. Hoffentlich klappt das bei der Einreise in die USA.

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        1. Wir haben eine Fehlermeldung, aber ich weiss nicht mehr genau was der Wortlaut war. Beim Einklarieren in. den USA im vergangenen Mai hatten es mit der App prima funktioniert. Vor der erneuten Einreise wollte ich die App noch einmal neu ‚runterladen und es dann versuchen. Vielleicht fehlt auch die Decal Nummer?

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  5. krasse Geschichte aber ich kann da keinen Tipp geben. Ich weiß nicht mal was Einklarieren und Ausklarieren bedeutet ! Es können Dinge passieren die keiner auf dem Schirm hat. Das kann verschiedene Hintergründe haben und in diesem Fall nenne ich es mal “ Information“ ohne hier jemand eine Schuld zuzuweisen !
    Es ist ja alles gut gegangen und 5000 Dollar ist schon sehr heftig. Weiterhin gute Fahrt ! Manni

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    1. Hallo Manni, dankeschön 😊.
      Vielleicht hätte ich das noch erklären sollen. „Einklarieren“ bedeutet, dass Du Dich offiziell mit Deinem Pass und den Bootspapieren in dem Land anmeldest, wo Du gerade eingereist bist. Wenn Du mit dem Flugzeug kommst, ist das der Moment wo Du mit Deinem Pass an dem Schalter vorbeigehst und einen Stempel bekommst. Mit dem eignen Boot ist das etwas aufwendiger. Meist muss man zu verschiedenen Beamten gehen, erst Zoll und dann Einwanderungsbehörde und seit COVID kommt auch noch. immer eine Gesundheitskontrolle dazu. Beim Ausklarieren geht das Ganze umgekehrt. Man lässt sich die Ausreise bestätigen. Das ist wichtig, denn im nächsten Lands wollen sie immer die Papiere des vorigen Landes sehen.
      Dabei hat jedes Land seine Besonderheiten. Um darauf vorbereitet zu sein gibt es Foren wo sich Cruiser austauschen und Websites wo die Formalitäten stehen. Manchmal ist’s auch so das die Formalitäten an verschiedenen Stellen in ein und demselben Land unterschiedlich ausgelegt werden. Leider habe ich das mit der Meldepflicht in Puerto Rico wohl übersehen, darum habe ich auch so ausführlich darüber berichtet damit andere Cruiser es vielleicht lesen und darauf vorbereitet sind.

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      1. das ist ja alles sehr kompliziert und als Fluggast macht man sich da keine großen Gedanken. Oft fehlt die Kenntnis und deshalb ist es gut wenn man solche Infos ins Netz stellt um andere darauf hinzuweisen . Was die Formalitäten betrifft ist es doch bei uns in Deutschland derzeit das gleiche. Jedes Bundesland hat ihre eigenen Bestimmungen was Covid betrifft. Da blickt schon lange keiner mehr durch !!! Danke aber für die Information

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  6. Das ist wirklich blöd gelaufen. Wir wurden beim Einklarieren in Culebra sehr deutlich darauf hingewiesen, das wir uns beim Wechsel des CBP-Bereichs Nord/Ost/Süd/West telefonisch melden sollen, was wir dann natürlich auch jeweils gemacht haben, wobei wir die Bereiche schätzen mussten, denn eine Karte hat man uns nicht gezeigt. Aber das war ja in den USA nicht anders, weil dort die CBP-Bereiche auch nicht immer deckungsgleich mit den Staatsgrenzen sind.
    Zum Glück konntest Du es ja geradeziehen. Ganz liebe Grüße aus Georgetown

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