Passage von Puerto Rico in die Bahamas

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Von der Bahia Boquerón an der Westseite Puerto Rico’s starten wir morgens um 8.00h in Richtung Bahamas. Leider ist das Ergebnis unseres COVID-Tests noch nicht da. So starten wir ohne Health Visum, was wir für die Einreise in die Bahamas benötigen. Wir fahren aus der Bucht hinaus, dann setzen wir Segel. In der Mona-Passage, die zwischen Puerto Rico und der Dominikanischen Republik liegt, geht ordentlich Wind. Mit deutlich über 10 Knoten kommen wir gut voran. Um der Seekrankheit entgegenzuwirken steuere ich eine Weile.

Später als wir an die Nordostküste der Dominikanischen Republik kommen, lässt der Wind etwas nach, was uns für die Nacht aber nicht unrecht ist.

Im Gegensatz zu anderen Crews haben wir kein festes Wachsystem sondern entscheiden das situationsabhängig. Nach dem Abendessen macht der Skipper die erste Wache, gegen Mitternacht übernehme ich. Wir können die ganze Nacht segeln. Gegen halb vier lege ich mich noch einmal hin und als es gegen 6:00h hell wird tauschen wir noch einmal.

Es ist nur noch wenig Wind, darum rollen wir das Vorsegel ein und lassen den Motor mitlaufen.. Wir fahren jetzt sehr küstennah und haben somit Handy-Empfang, wenn auch sehr schwach. Es sind fast 48 Stunden vergangenen seit unserer Probenentnahme beim COVID Test. Spätestens jetzt müsste das Ergebnis da sein. Aber wir haben immer noch nichts. Ich versuche beim Labor anzurufen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen erreiche ich endlich jemanden. Bei beiden Tests hatte das Labor die Email Adressen falsch geschrieben, sie schicken sie noch einmal. Als die Testergebnisse da sind, muss ich sie auf die Website der Bahamas hochladen. Doch das ist nicht so einfach. Die Internet-Verbindung ist zu schwach um Dokumente hochzuladen. Also nötige ich den Skipper noch näher unter Land zu fahren. Nach unzähligen Versuchen klappt es schließlich. Aber das war nur der erste Schritt. Jetzt muss das Visum genehmigt werden. Danach müssen wir bezahlen und dann noch einen Cruising Permit beantragen. Wie soll das gehen wenn wir gleich wieder vom Land weg und damit aus der Internetabdeckung ‚rausfahren? Aber wir können jetzt nichts machen, wir müssen hoffen dass es irgendwie klappt.

Als wir etwas weiter weg sind vom Land setzen wir wieder Segel und nehmen Kurs auf Great Inagua, die südlichste Insel der Bahamas. Wir geniessen einen schönen Sonnenuntergang auf See. Dann geht es in die zweite Nacht.

An der Backbordseite liegt jetzt die Grenze zwischen der Dominikanischen Republik und Haiti. Ich habe gehört, dass es in der Region vor Haiti Piraten geben soll, die Segler gefährlich werden könnten. Mir ist etwas mulmig zumute. Der Skipper hat nur begrenzt Verständnis für meine Bedenken, zumal wir jetzt wenig am Kurs änder können. Wir schalten für eine Weile das aktive AIS( Automatic Identification System) aus. So können wir noch andere Schiffe sehen, sie uns aber nicht. Doch dann kommen uns hintereinander mehrere Tanker entgegen und wir schalten es wieder an, damit wir gesehen werden. Während meiner Wache freue ich mich mit jeder Meile, die wir uns von Hispaniola (Dominikanische Republik und Haiti) entfernen. Als es wieder hell wird, bin ich erleichtert. Dann können wir auch schon Great Inagua erkennen. Der Leuchtturm von Matthew Town ist weithin sichtbar.

Als wir Internet-Empfag haben schaue ich als erstes nach unserem Health Visum. Ja es ist genehmigt. 😅👍. Während wir zum Ankerplatz vor Matthew Town fahren, kann ich schon den nächsten Schritt mit der Bezahlung erledigen. Der Anker fällt im türkisfarbenen Wasser. Nach ca. 430 Seemeilen und 52 Stunden ist escape in den Bahamas, einem Sehnsuchtsziel vieler Segler.

Jetzt muss ich noch eine weitere Website mit Daten füttern: das „Click2Clear“-System des Zolls und der Einwanderungsbehörde. Das dauert eine Weile. Das System ist kompliziert und die Internetverbindung ist schlecht. Der Skipper nörgelt wann wir endlich an Land gehen. Nachdem ich die Formulare schliesslich ausgedruckt habe, fahren wir mit dem Beiboot in den kleinen Hafen von Matthew Town.

Dort ist gerade eine andere Crew mit den Einreiseformalitäten beschäftigt. Der Zollbeamte sitzt in seinem weißen Jeep und geht mit dem Skipper, der daneben sitzt, die Formulare durch. Sehr unkonventionell 😄Es dauert ewig bis der Zollbeamte den Skipper durch das System geführt hat, und alle Daten der vier Crewmitglieder eingetragen sind. Aber wir sind entspannt. Wir hatten eine schöne Überfahrt und sind jetzt auf den Bahamas. Alles ist gut.

Die andere Crew hat schon einen WiFi Router ergattert. Sie geben mir die Telefonnummer von der netten Dame der Telefongesellschaft, die dann prompt mit dem Auto vorbeikommt und uns den Router bringt. Jetzt haben wir auch Internet auf den Bahams, sofern wir in Reichweite eines Sendemasten sind.

Als die andere Crew fertig ist gehe ich zum Auto des Zollbeamten. Als ich ihm sage, dass ich alles online ausgefüllt habe ist er begeistert. Ich gebe ihm meinen Ausdruck, theoretische hätte ich zwei Kopien vom Cruising Permit machen müssen, aber das ist kein Problem. Alles geht sehr schnell. Der Zollbeamte fährt mit den Unterlagen von beiden Crews ins Büro um sie zu stempeln. Der Skipper ist baff. Gerade bin ich in seiner Hochachtung deutlich gestiegen. Währten die andere Crew eine Dreiviertelstunde gebraucht hat, waren wir in zwei Minuten fertig.

Wenig später ist der Zollbeamte zurück. Alles perfekt 👌 . Er ruft die Dame von der Einwanderungsbehörde an, die dann ebenfalls mit dem Auto vorbeikommet. Sie nimmt die Pässe und die Health Visa mit und ist kurz darauf wieder zurück am Dock. Alles erledigt. Jetzt ist es offiziell: Wir sind in den Bahamas.

Die Dame von der Telefongesellschaft hat uns direkt noch einen Leihwagen organisiert. Damit werden wir uns morgen die Insel anschauen.

Wir gehen in den Ort um die Bars zu suchen, die uns der Zollbeamte auf Nachfragen empfohlen hat. „Oh yes this is the Party Island“ hat er gesagt. Im Nachhinein stellen wir fest, dass das ironisch gemeint war. Hier ist alles sehr ruhig. Im Ort gibt es zwar eine kleine Bar unter einem Strohdach, sie ist aber geschlossen. Also fahren wir zurück zu escape um dort beim Sundowner auf die gelungene Überfahrt anzustoßen. 🍻🥂

Praxistipp
Sämtliche Formalitäten für die Einreise in die Bahamas können mittlerweile online erledigt werden
1.) Bahamas Travel Health VISA
2.) Click2Clear System für Cruising Permit

Relevante Links

SY INVIA über Einreiseformalitäten und Passage von Puerto Rico in die Bahamas

SY Flora über Einreiseformalitäten und die Passage von der Dominikanischen Republik in die Bahamas

4 Kommentare

  1. Schoen, dass Ihr es zu den Bahamas geschafft habt. Interessant, was Du zum Thema Internetzugang erzaehlst. Ich hatte mich immer chon gefragt, wie das an Bord so geht.
    Habt’s fein auf den bahamas,
    Pit

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Pit, hier auf den Bahamas ist es wirklich schön. Mit dem kleinen Router klappt das mit dem Internet deutlich besser als erwartet. Vorher hatten wir immer gehört wie schwierig das in den Bahamas ist. Aber auch in den USA war die Internet-Verbindung machmal ein Problem. Wir hatten Mobilfunkkarten von verschiedenen Anbietern aber oft war die Verbindung sehr schlecht. Wenn wir nächsten Monat wieder dort sind werde ich schauen ob ich dort auch einen Router mit Datenpaket bekomme.

      Gefällt 1 Person

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