Türkisfarbene Einsamkeit – Segeln in den südlichen Bahamas

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Hogsty Reef

Heute geht es früh los. Um 6.30h brechen wir auf zu unserem ersten Segeltörn auf den Bahamas. Unser Ziel ist ein ganz besonderer Ankerplatz. Das Hogsty Reef ist mehr als 30 Seemeilen vom nächsten Land entfernt. Innerhalb des Riffs kann man ankern. Das wollen wir uns anschauen. Falls uns der Ankerplatz aus irgendwelchen Gründen nicht zusagt, sind wir noch früh genug, um die nächste Insel anzulaufen. Es ist kein Wind, wir fahren unter Motor. Doch das haben wir einkalkuliert. Wir hoffen, dass dafür am Ankerplatz, der als sehr unruhig gilt, weniger Schwell steht.

Als wir uns dem Riff von weitem nähern sieht man lediglich an der Farbe des Wassers, dass es flacher wird. Ich habe schon viel darüber gelesen, aber wenn man es wirklich erlebt ist es spektakulär. Von dunkelblau wechselt das Wasser zu mittelblau und dann nach türkis. Außer einer Sandbank mit einem Leuchtturm und zwei Wracks sieht man nichts über dem Meer aufragen.

Vorsichtig fahren wir durch die in der Seekarte verzeichnete Öffnung in das Riff hinein. Jetzt ist die sogenannte „Eyeball Navigation“ gefragt. Anhand der Wasserfarbe und eventuellen Unebenheiten, die man unter der Wasseroberfläche erkennt, soll man gefährliche Stellen erkennen. Soweit die Theorie. In der Praxis sehe ich einen dunklen Fleck unter der Wasseroberfläche und weiss nicht, ob das jetzt harmloses Seegras tief unten ist oder vielleicht doch ein gefährlicher Fels oder ein Korallenkopf. Nervös 😬 stehe ich am Bug. Ob man das wohl durch Erfahrung lernt? Irgendwie klappt es😅, glücklicherweise hält der Anker sofort. Wir sind das einzige Boot wir und breit

Ein merkwürdiges Gefühl, rund herum nur Wasser. Man hat das Gefühl mitten im Ozean zu ankern.

Der Skipper möchte die Drohne fliegen lassen um diesen einmaligen Ankerplatz von oben zu sehen. Doch da nähert sich ein Boot der Küstenwache, was direkt vor dem Riff ankert. Drohnen sind laut unserem Revierführer in den Bahamas verboten, also lassen wir das lieber. Spektakuläre Luftaufnahmen vom Hogsty Reef gibt es dafür von der SY Flora und der SY INVIA, die jeweils einige Tage vor uns hier waren.

Dafür hat der Skipper jetzt Zeit zum Kochen. Zur Feier des Tages gibt es Steak mit Rotweinzwiebeln.

Sonnenuntergang über dem Hogsty Reef, am Horizont erkennt man das Schiff der Küstenwache

Acklins Island

Am nächsten Morgen sind wir noch vor 6.00h wach. Die Nacht war sehr unruhig, escape ist ganz schön hin und her gerollt. Vorsichtig fahren wir aus dem Riff hinaus. Danach setzen wir Segel. Ziel ist die Südspitze von Acklins Island. Der Wind weht nur mit 11 Knoten (Windstärke 4) aber escape kommt mit 7 bis 8 Knoten gut voran. Wir schlafen abwechselnd eine Runde.

Gegen 11.00 haben wir nur noch 3 Knoten Wind (Windstärke 1). Es hilft nichts wir müssen den Motor anmachen. Wir rollen das Vorsegel weg. Das Grossegel bleibt stehen um dem Boot Stabilität zu geben. Jetzt kommt die „Mira Por Vos Passage“( „Passt auf Euch auf“ Passage). Der Name und die Warnungen im Revierführer lassen schlimmes vermuten. Glücklicherweise erweist sie sich als unproblematisch. Danach haben wir die Südspitze von Acklins Island erreicht. Wieder sind wir das einzige Boot am Ankerplatz. Wir genießen unseren Sundowner und freuen uns unseres Blauwasser-Lebens.

Segeln entlang Acklins Island

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Norden. Meistens präsentiert sich die Küste als weisser Streifen im türkisfarbenen Wasser, dekoriert mit etwas Grün.

Ab und zu sieht man kleinere Siedlungen.

Am nördlichen Ende von Acklins Island schliesst sich Crooked Island an. Dort, vor PIttstown Point, liegt unser heutiger Ankerplatz.

Die Route von escape von Acklins’s Island nach Crooked Island

Crooked Island

Sobald der Anker gefallen ist, hat der Skipper auch schon gegoogelt, dass es hier eine Lodge gibt, in der Cruiser als Gäste willkommen geheissen werden. Nachdem wir zweieinhalb Tage lang das Boot nicht verlassen haben, möchte er ‚mal wieder ausgehen. Ich bräuchte das nicht unbedingt, zumal wir mit dem Beiboot einen langen Weg zurücklegen müssen, um zur Lodge zu kommen. Aber Widerstand ist zwecklos wenn der Skipper sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Also reserviere ich per Funk einen Tisch, wenig später sitzen wir im Beiboot. Wir sind überrascht, als wir in die zur Lodge zugehörige Marina hineinfahren. Hier ist alles nagelneu, allerdings auch komplett leer.

Neben der Marina liegt ein kleiner Flughafen.

Wir sehen mehrer bunte Gebäude. Als wir darauf zugehen hören wir leise Lounge Musik🎵 .

Unten an der Bar begrüsst uns der Barkeeper freudig: „Hallo und herzlich Willkommen“. Von der Terrasse haben wir einen perfekten Blick auf das Meer und die untergehende Sonne, was für ein wunderschöner Ort😍.

Es ist der perfekte Platz für unseren Sundowner. Wir testen die unterschiedlichen lokalen Getränkespezialitäten. Ich lasse mir vom Barkeeper einen Cocktail empfehlen. Der Skipper bleibt beim Bier. Hier auf den Bahamas trinkt man Kalik. So geniessen wir in aller Ruhe den Sonnenuntergang mit Blick auf den Leuchtturm. Besser könnte es uns nicht gehen🤩.

Als die Sonne fast untergegangen ist, wechseln wir von der Bar ins gegenüberliegende Restaurant. Vom Essen sind wir begeistert. Es kommen frische, lokale Spezialitäten auf den Tisch. Zuerst gibt es Conch Flitters(Muschelpuffer), die nationale Spezialität. Danach gibt es eine Conch Chowder, eine feine Suppe mit der Riesenmuschel. Als Hauptgericht dann leckern frischen Fisch und zum Abschluss noch Zitronenkuchen. Der Landgang heute hat sich wirklich gelohnt.

Dann müssen wir zurück zu escape. Der Marina Manager begleitet uns bis zum Beiboot. Er erzählt uns, dass die Marina gerade erst fertiggestellt wurde. In 2019 war sie schon einmal kurz vor der Fertigstellung, dann kam Hurrikan Dorian und sie mussten wieder von vorne anfangen.

Die Fahrt im Dunkeln im Beiboot kostet mich Überwindung, aber der Skipper ist cool und steuert uns sicher um das vor der Marina liegende Riff herum. Als wir wieder an Bord sind werden wir auf dem Funk gerufen: „escape, escape“. Es ist der Marina Manager, der sich vergewissern möchte, dass wir heil auf unserem Boot angekommen sind. Wie schön🤩, da fühlt man sich auch in der Fremde richtig geborgen.

Relevante Links

Crooked Island Lodge

12 Kommentare

  1. Liebe Annemarie, lieber Volker,
    Ihr macht genau das, was wir auch vorhatten. Da Du das so schön beschreibst, brauchen wir da ja gar nicht mehr hinzusegeln – nein, stimmt natürlich nicht, deine Berichte steigern unsere Motivation. So schön und auch spannend geschrieben. Danke!
    Habe gerade das Freiheitssignal nach sieben Tagen Quarantäne erhalten. Noch kurz 2. Impfung hier auf Grenada abholen, dann geht’s aber endgültig los. Bis zu Euch könnte es hurricanebedingt ein wenig knapp werden. Naja, es ist überall schön.
    Viel Spaß weiterhin!
    Alfred
    und liebe Grüße von Petra

    Gefällt 1 Person

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