Bootsarbeit im Paradies

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Morgens um 5.30h klingelt de Wecker. Warum so früh? Wir müssen die Gezeiten nutzen um über die flachen Stellen an der Ausfahrt von Staniel Cay zu kommen. Um 6 Uhr ist Wasser-Höchststand. Danach sollten wir möglichst bald mit dem ablaufenden Wasser aus der Bucht hinausfahren. Wenn wir zu lange warten wird es zu flach für uns.

Ich bin aufgeregt. Die Fahrt über die Flachs ist nichts für meine schwachen Nerven. Nach einem schnellen Müsli gehen wir Anker auf. Zu zweit halten wir den Tiefenmesser im Auge. Er geht hinunter bis auf 3,50m (unser Tiefgang ist 3m) dann geht er wieder nach oben.

Jetzt müssen wir noch durch den Cut (die schmale Öffnung zwischen den Inseln) Hier an der engen Stelle bauen sich die Wellen auf, es steht eine ungemütliche See. Escape wird ordentlich durchgeschüttelt. Ich fühle mich wie auf einem dieser Fahrgeschäfte früher auf der Kirmes, wo man auf einer Bank auf einem drehende Teller festgegurtet und dann durchgerüttelt wurde. Es besteht keine Gefahr für Bot oder Crew, aber für mich extrem unangenehm. Jetzt verstehe ich warum in den Revierführern immer vor dem Befahren dieser Cuts gewarnt wird und bei der Beschreibung dieser Passagen immer das Wort „gefährlich“ vorkommt. Für ein kleines Sportboot, was die Hotelgäste hier mieten können, ist diese Passage schon ein Risiko.

Als wir draußen auf der offenen See sind werden die Welle und das Schaukeln langsam weniger. Sobald wir im tiefen Wasser sind setzen wir die Segel. escape liegt jetzt deutlich ruhiger als vorher. Noch ist mir etwas übel aber ich hoffe, dass sich mein Magen wieder beruhigt. Der Skipper will mit mir unser Tagesziel festlegen. Das wollte ich gestern Abend machen, doch da hatte er keine Lust und wollte lieber einen Film gucken. Jetzt wo mir übel ist soll ich mit ihm den Revierführer lesen.😬

Unsere Wahl fällt auf das 20 Seemeilen entfernte Warderick Wells im Exumas Land and Sea Park. Dort gibt es Bojen, glücklicherweise auch einige für Boote mit mehr Tiefgang. So haben wir die Möglichkeit, im türkisfarbenen Wasser nahe an einer Sandbank zu liegen, typisch Bahamas eben und traumhaft schön.

Um der schönen Umgebung gerecht zu werden, habe ich au h einmal die Leinen hübsch h aufgerollt.

Wir machen eine Erkundungstour mit dem Beiboot. Der Spaziergang auf der Sandbank ist ein Highlight.

Auf der Insel gibt es einige Wanderpfade, auch Kajaks kann man leihen. Doch der Skipper ist heute für weitere Aktivitäten nicht zu haben. Er meint nur: „Dazu haben wir ja morgen noch Zeit“. Wir haben die Boje für zwei Nächste reserviert. Also fahren wir zurück zu escape und geniessen den Sonnenuntergang in dieser paradiesischen Umgebung.

Am nächsten Morgen wollen wir noch vor dem Frühstück auf den Boo Boo Hill, die höchste Erhebung von Warderick Wells, wandern. Doch es gibt ein Problem. Gestern hat Volker Wasser im Motorraum gefunden. Wir haben es ausgepumpt; heute ist wieder Wasser da und zwar noch mehr als gestern. Jetzt ist erst einmal Bootsarbeit angesagt.

Wie es scheint ist der Generator die Ursache. Bei einem Testlauf ist die Ursache schnell gefunden: Eine Schlauchschelle ist undicht. Doch so einfach, wie es sich anhört, ist es nicht. Die undichte Stelle ist schwer zugänglich. Es muss alles abgebaut, die Schlauchstelle getauscht und der Generator anschliessend gründlich sauber gemacht werden, um Folgeschäden durch das Salzwasser zu vermeiden.

Der Skipper hat angeboten mich an Land zu fahren, aber das bringe ich dann doch nicht übers Herz. Aus Solidarität verbringe ich die Zeit ebenfalls mit Hausarbeit. Außerdem ist es für ihn einfacher wenn er unten im Motorraum sitzt und ich ihm die Werkzeuge angebe, quasi wie eine Art OP-Schwester. Das Problem ist nur, dass ich die Kombizange mit der Wasserpumpenzange verwechsele 😂

Der schöne Spruch: „Man repariert sie um die Welt“ trifft wieder voll zu. Die paradiesische Landschaft vom Exumas Land and Sea Park sehen wir erst einmal nur durch das Fenster.

Nachmittags fahren wir dann doch noch an  Land und machen die Wanderung.

Vom Hügel hat man einen wunderschönen Ausblick. 

Oben gibt es eine Art Denkmal aus Treibgut, wo sich Yachten, die schon hier waren, verewigt haben.

Dann nimmt unsere Wanderung ein jähes Ende. Am Horizont ziehen dunkle Wolken auf. Ein heftiger Regen kündigt sich an. Blöd, dass der Skipper die Fenster an Bord offen gelassen hat.

Also sprintet er zurück zum Beiboot und rast mit Vollgas zurück zu escape, während ich in aller Ruhe hinunter trotte. Doch dort, wo auf dem Hinweg einige wenige Wasserlachen standen, fliesst jetzt mit der Flut ein richtiger Bach. Nach der Überquerung finde ich den Einstieg in den Pfad nicht mehr. Mühsam irre ich durch das Dickicht und bin am Ende völlig zerkratzt. Als ich mich irgendwann zum Strand vorgearbeitet habe, sehe ich zwar unser Beiboot aber den Skipper nicht. Er sucht mich auf dem Wanderpfad, also noch einmal zurück. Nachdem ich ihn gefunden habe, gehen wir zum Abschluss noch eine Runde schwimmen im türkisfarbenen, badewannenwarmen Wasser. Allerdings bleibe ich ganz nah am Strand. Die Gefahr durch Haie erscheint mir nach wie vor gross.

Fazit
Warderick Wells ist für mich einer der schönsten Ankerplätze der Bahamas. Durch die Bojen liegt man hier auch sehr sicher. Im Nachhinein hätten wir dort mehr Zeit einplanen sollen.

Relevante Links
Die ganze Schönheit von Warderick Wells erkennt man auf den Drohnennaufnahmen von
SY Flora

  • Praxistipps
    • Die Bojen für Warderick Wells im Exumas Land and Sea Park werden in einer morgendlichen Funkrunde vergeben, um 9.00h Uhr auf Kanal 9.
    • Samstags findet am Strand eine Happy Hour statt, wo sich Segler und Park Ranger bei mitgebrachtem Essen und Getränken am Strand treffen. Wer die Geselligkeit sucht und neue Kontakte mit anderen Seglern knüpfen möchte, ist hier genau richtig. Wenn man es lieber ruhiger mag und die wundervolle Umgebung in Ruhe geniessen möchte, sollte man Warderick Wells an diesem Tag meiden
    • Falls es mit dem Internet-Empfang in Warderick Wells nicht klappt, hilft es den Router in den Mast zu ziehen
Der Skipper zeiht den Router in den Mast, so haben wir auch wieder Internet

10 Kommentare

  1. Haie kommen auch in recht flache Gewässer… 😉
    Was für ein Abenteuer. Manchmal ist es wie verhext. Ich hoffe, dass bei euch nicht allzu oft was kaputt ist. Ansonsten wie immer traumhafte Bilder und eine wunderschöne Insel 🙂

    Gefällt mir

  2. Meine Güte…. Krasses Erlebniss.
    Manchmal nicht so einfach, das mit dem Wasser und den Wellen. Das wäre nix für mich und Mechtild….
    Aber dafür könnte ich die Schlauchschellen reparieren, hab das mal vor ein „paar Jahren“ 😉 gelernt….
    Euch noch weiter eine schöne Zeit und immer 1mtr. Wasser unter dem Kiel…
    Lg aus der Heimat
    Eddy und Mechtild

    Euch

    Gefällt 1 Person

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