Litle San Salvador oder Half Moon Cay – eine Insel ganz für uns

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Da es uns auf den Exumas überall sehr gut gefallen hat, wollen wir von Highbourne Cay aus noch einmal ein Stück weiter südlich nach Shroud Cay. Das soll der „Amazonas der Bahamas“ sein.

Wir fahren durch den Cut zwischen den Cays wieder auf’s Meer hinaus. Sowohl in der engen Passage als auch draußen auf dem offenen Meer ist es sehr wellig. Als wir den Cut vor Shroud Cay erreichen fährt der Skipper vorsichtig darauf zu. Je näher wir den Felsen kommen, umso mehr Schaumkronen sehen wir auf dem Wasser. escape schaukelt immer heftiger. Die Einfahrt durch die Riffe ist in der Mitte zwar tief genug, aber sehr schmal. Dadurch baut sich die Welle dort auf. Während wir auf den Cut zufahren werden die Wellen immer stärker, mein Magen beginnt zu rebellieren🤢. Sollen wir wirklich dort hineinfahren?

Es wird immer davor gewarnt bei zu viel Welle und Strömung zwischen den Riffen hindurch zu fahren. Grundsätzlich ist die Wellenhöhe für escape kein Problem, aber bei dieser Kombination von Seegang und Strömung ist es nicht möglich die Kurslinie exakt zu halten. In der schmalen Durchfahrt könnten die Wellen schon reichen um uns auf ein Riff zu drücken.

Ängstlich sitze ich auf meinem Co-Pilotenplatz am nicht aktiven Steuerstand und harre der Dinge, die da kommen 😟. Da dreht der Skipper ab. Ich bin ihm sehr dankbar🙏 für diese umsichtige Entscheidung. Gute Seemannschaft bedeutet auch, zu erkennen wann man besser nicht versuchen sollte den Naturgewalten zu trotzen.

Was machen wir jetzt? Während wir wieder aufs offene Meer hinaus fahren überlegen wir welches alternative Ziel sich anbietet. Wir entscheiden uns den Wind zu nutzen, um hinüber nach Eleuthera zu segeln, 39 Meilen hoch am Wind. Das ist nicht mein bevorzugter Kurs, aber was soll’s? Mit viel Lage segeln wir Richtung Eleuthera.

Unser Wohnzimmer steht schräg

Der Skipper entscheidet sich für die kleinere Selbstwendefock, damit wir gegebenenfalls hoch am Wind kreuzen können. Kurz nach dem wir sie gesetzt haben hören wir ein merkwürdiges Geräusch. Die Fock flattert. Etwas ist gerissen. Glücklicherweise können wir sie noch einrollen, wenn auch etwas unschön. Sobald wir vor Anker liegen müssen wir uns anschauen, was passiert ist. Stattdessen nehmen wir jetzt doch die Genua (das größere Vorsegel).

Puh 😅 das ist wieder viel Aufregung heute. Mein Magen fühlt sich immer noch unwohl. Ich verziehe mich auf die Leebank im Cockpit und schlafe erst mal zwei Stunden.

Kurz vor Eleuthera schläft der Wind ein, wir nehmen die Segel weg. Ausser uns gibt es kein einziges Boot weit und breit. Wir ankern relativ weit weg von der Küste, es ist sehr flach hier. Obwohl der Ankerplatz ruhig aussieht haben wir viel Schwell.

Am nächsten Morgen geht es weiter. Wir motoren an der Südspitze von Eleuthera entlang. Bei 7 Knoten Wind genau von vorne müssen wir uns keine Gedanken über Segeln machen.

Über unser nächstes Ziel habe ich im Internet recherchiert. Little San Salvador ist im Besitz der Holland America Line. Das Kreuzfahrtunternehmen hat die unbewohnte Insel erworben, um für seine Passagiere einen Ankerstopp mit allen Annehmlichkeiten zu kreieren. Dafür wurde Einiges in die Infrastruktur investiert. Da der Gesellschaft der Name nicht wohlklingend genug erschien, hat man den Namen der Insel kurzfristig in „Half Moon Cay“ geändert, wegen des langen halbmondförmigen Sandstrandes. Normalerweise haben nur Passagier der Kreuzfahrtschiffe Zutritt zu dieser Insel. Da im Moment keine Kreuzfahrten stattfinden, hoffen wir, dass auch uns dieses künstliche Paradies offen steht.

Wir finden einen perfekten Ankerplatz vor dem feinen Sandstrand, außer uns ankern nur noch zwei andere Yachten hier. Laut Revierführer soll man per Funk die Erlaubnis einholen bevor man anlandet. Das versuche ich auf verschiedenen Kanälen, aber niemand möchte mit mir reden. Also steigen wir ins Beiboot und mache eine Erkundungstour.

Am Strand stehen hübsche kleine Strandhäuschen. Man beachte, dass die komplett offenen Hütten eine Klimaanlage haben.

Wem das kleine Strandhäuschen nicht reicht, für den hat man auch größere Strandvillen im Angebot.

Es gibt alles was das Kreuzfahrer Herz begehrt: Hängematten am Strand, Restaurants, Bars, Sport und Spielplätze sowie einen Dorfplatz mit Geschäften. Alles ist geschlossen und ausgestorben, aber in bester Ordnung und perfekt gepflegt. Es wirkt so, als ob man mit der baldigen Ankunft eines Kreuzfahrt-Schiffes rechnet.

Es gibt sogar eine große Pferdekoppel, wo die Pferde darauf warten bald wieder Touristen für ein unvergessliches Ferienerlebnis ins Meer tragen zu dürfen.

Das Ganze ist schon etwas bizarr, aber andererseits auch ganz amüsant. Ab und zu sehen wir einen Arbeiter mit einem Buggy am Strand entlang fahren, aber wir scheinen ihn nicht zu stören. Wir beschliessen noch einen Tag zu bleiben um es auszunutzen, dass wir einmal eine Privatinsel für uns alleine haben. Wenn hier Kreuzfahrtschiffe anlegen kommen zwischen 2000 und 6000 Menschen auf das kleine Halfmoon Cay. Das stelle ich mir dann nicht mehr so schön vor.

Doch am nächsten Tag ist erst einmal Bootsarbeit angesagt. Zuerst kümmert sich Volker um den Wassermacher. Alle Filter werden getauscht. Anschliessend wird der Sensor für den Salzgehalt ausgebaut und gereinigt. Der Skipper hängt in der Bilge, während ich ihm die Werkzeuge reiche. Mittlerweile habe ich die Bezeichnungen drauf. Die Kombizange hat die Form eines Nussknackers und der Seitenschneider sieht aus wie ein überdimensionaler Nagelknipser😉.

Dann müssen wir uns das Problem am Vorsegel vornehmen. Der Schäkel, der das Vorsegel halten sollte ist komplett verbogen. Der Bolzen ist aufgegangen dadurch hat sich das Segel gelöst Da sieht man einmal was für Kräfte hier wirken. Um den Schaden zu beheben, muss ich Volker in den Mast ziehen. Leider haben wir keinen baugleichen Ersatz-Schäkel dabei, also wird einer passend gemacht. Insgesamt dauert die ganze Aktion mehrere Stunden. Währenddessen blicke ich ab und zu sehnsüchtig auf den Traumstrand von Halfmoon Cay. Nach Warderick Wells ist dies nun schon der zweite Traum-Ankerplatz an dem wir hauptsächlich mit Bootsarbeiten beschäftigt sind.

Am Spätnachmittag gehen wir dann doch noch an Land.

Wir gönnen uns eine Pause in der Hängematte. Was könnte es Schöneres geben für den Skipper als hier zu liegen ud auf escape zu schauen?

Zum Sonnenuntergang sind wir wieder an Bord und geniessen den Ausblick auf unsere Privatinsel.

Relevante Links

Auf den Besuch von Shroud Cay mussten wir leider verzichten. Wie es dort aussieht wissen wir dank dem Blogartikel der SY Flora

Half Moon Cay als Kreuzfahrtziel

Die Ankunft in Half Moon Cay aus Sicht eines Kreuzfahrt-Kapitäns

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