Harbour Mouth Cut – Wieviel Wagnis braucht ein Ankerplatz?

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Noch vor 6:00h geht der Anker hoch, denn wir haben heute über 90 Seemeilen vor uns. Von Little San Salvador aus wollen wir die ganze Ostküste von Eleuthera entlang segeln.

Über das heutige Ziel hat die Crew der escape intensiv diskutiert. Der Skipper hat Harbour Island vorgeschlagen. Doch der Weg dorthin führt durch den Harbour Mouth Cut. Dieser wird in all meinen Revierführern als „gefährlich“ beschrieben. Es wird davor gewarnt ihn ohne lokalen Lotsen zu befahren, da die Strömung sehr stark ist und die sich permanent verändernden Sandbänke auf den Seekarten nur unzureichend verzeichnet sind. Ich möchte escape diesem Risiko nicht aussetzen. Der Skipper dagegen meint, das sei kein Problem. Aus seiner Sicht fängt der gefährliche Bereich erst hinter der Stelle an, wo er ankern möchte. Aber ausnahmsweise habe ich mich einmal durchgesetzt. Wir planen keinen Stopp auf Harbour Island, sondern wollen direkt bis an die Nordspitze von Eleuthera durchfahren. Dadurch wird der heutige Törn sehr lang.

Sobald wir frei von der Insel sind setzen wir Segel. Das Problem ist nur, dass wir wahren Wind aus 150 Grad mit nur 10 Knoten haben. Uns fehlt ein Downwind Segel. So sind wir zu langsam um unsere angepeilte Tagesdistanz zu schaffen. Darum lassen wir den Motor mitlaufen. Wir machen 7,7 Knoten Fahrt (das entspricht etwas über 15 km pro Stunde) .

Leider wird der Wind nicht besser. Gegen 11.00h passieren wir die Diamond Bank, die vor dem gleichnamigen Diamond Cay liegt. Hier fällt die Tiefe innerhalb weniger Meter von über 100 auf 6m ab Konzentriert beobachten wir den Tiefenmesser.

Als ich unter Deck gehe kommt ein Boot der Küstenwache mit Blaulicht auf uns zu. Was hat das zu bedeuten? Wir werden es nie erfahren, denn es dreht nur einen Kreis um escape und fährt weiter.

Am frühen Nachmittag wird der Wind etwas mehr. Wir machen den Motor aus. Doch schon nach kurzer Zeit flaut er wieder ab. Als wir nur noch 4,5 Knoten laufen (ein guter Wanderer ist schneller) machen wir den Motor wieder an.

Jetzt sind wir nur noch 7 Meilen vom Harbour Mouth Cut entfernt, der Stelle an der der Skipper ursprünglich ankern wollte. Da sehen wir auf dem AIS(Automatic Identification System, wo man die Schiffsbewegungen auf dem Bildschirm verfolgen kann), dass gerade eine grosse Yacht durch den als so gefährlichen beschriebenen Cut fährt. Die Segelyacht „Ultima Novia ist 40m lang und hat 4m Tiefgang, Das heisst sie ist doppelt so groß wie escape und hat einen ganzen Meter mehr Tiefgang. Ich überlege: Wenn die dort hineinfahren können, sollte es für uns auch gehen🤔? Fährt sie mit einem Lotsen?

Der Skipper vergewissert sich im Internet, dass die im AIS hinterlegten Daten der Yacht stimmen. Wir beschliessen sie anzufunken. Ich erreiche den Skipper der Ultima Novia während des Ankermanövers. Als sie fertig sind ruft er mich zurück. Freundlich erklärt er mir, dass die Durchfahr durch den Cut sehr einfach wäre. Lotsen benötigten sie keinen. Sie ankern direkt hinter dem Cut auf 6,50m Wassertiefe. Es sei alles kein Problem, höchsten der Ankerplatz könnte irgendwann knapp werden, aber noch sei genug Raum für uns.

Das hört sich gut an. Wir ändern unseren Törnplan und nehmen Kurs auf den Cut. Dadurch kommt der Wind aus einem günstigeren Winkel, außerdem haben wir jetzt Zeit, da das Ziel nur noch wenige Meilen entfernt ist. So können wir wenigstens die letzte 35 Minuten noch schön segeln. 

Die Fahrt durch den Cut ist dann tatsächlich problemlos.

Blick auf den Harbour Mouth Cut

Wir ankern neben der Ultima Novia („Letzte Freundin“, was für ein lustiger Bootsname).

escape vor Anker, im Hintergrund die Ultima Novia

Nachdem escape gut liegt, machen wir noch eine kleine Erkundungstour mit dem Dinghy. Wir gehen jedoch nicht an Land, da die COVID Zahlen hier im Vergleich zum Rest der Bahamas sehr hoch sein sollen.

Als wir zurückkommen fahren wir kurz bei der Ultima Novia vorbei, um uns für die Unterstützung per Funk zu bedanken. Dort spielt auf dem Achterdeck eine Band 🎶 , sehr cool😎. Der Eigner winkt uns heran. Aber wir wollen nicht stören. Das sieht sonst so aus, als wollten wir uns selbst zur Party einladen. Wir bedanken uns noch einmal bei dem herbei eilenden Crewmitglied und fahren dann hinüber zu escape. Während wir dort unserem Sunndwoner nehmen klingt sanfte Soulmusik von der Ultima Novia zu uns herüber.

Ein perfekter Abend. Der Skipper hatte Recht. Der von mir als zu gefährlich bewertete Ankerplatz entpuppt sich als idyllisches Fleckchen Erde. Die Durchfahrt durch den Harbour Mouth Cut war einfacher als die meisten anderen Cuts, die wir in den letzten Tagen befahren haben.

Hier noch einmal die Route, die wir heute zurückgelegt haben:

Relevante Links

Boat International über Ultima Novia

5 Kommentare

  1. Super, tolle Erlebnisse mal wieder. Wir können Dich gut verstehen, Annemarie, auf der N.V.-Karte sieht es kurz hinter der Durchfahrt schon recht beeindruckend aus. Aber wie so oft bzw. immer geht es gut. Schön, ganz toll, Eure Törns.
    Und danke für deine lieben Kommentare in unserem Blog! Viel Freude weiterhin,
    Alfred und Petra

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