Neue Etappe: escape segelt nach Fort Lauderdale

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Heute ist es soweit: Nach vier Wochen auf den Bahamas segelt escape heute in ein neues Revier. Gerne wären wir länger geblieben. Das türkisfarbene Wasser, die feinen Sandstrände und die unzähligen kleinen Inseln, von denen jede ihre Besonderheit hat, sind wirklich einzigartig. Ohne Zweifel waren die Bahamas eine der schönsten Destinationen unserer bisherigen Reise mit escape. Speziell in den Exumas wären wir gerne länger geblieben.

Doch wie so oft diktieren Bootsarbeiten unseren Törnplan. Wir haben einen Termin in Fort Lauderdale. Dort soll die Klimaanlage, die auch gleichzeitig als Heizung dient, repariert werden. In der Vergangenheit ist sie trotz wiederholter Reparaturen immer wieder ausgefallen. In Fort Lauderdale sitzen die speziell geschulten Techniker der Herstellerfirma, die dem Problem jetzt auf den Grund gehen sollen.

Um 6.30h geht es los. Die Distanz nach Fort Lauderdale beträgt nur gut 50 Seemeilen. Damit ist sie deutlich kürzer als viele der Törns, die wir in den letzten Tagen innerhalb der Bahamas gemacht haben. Entscheidend ist jedoch die richtige Zeitplanung bezüglich der Gezeiten. Die Einfahrt zu unserem reservierten Hafenplatz in Fort Lauderdale können wir nicht bei Niedrigwasser passieren, dann ist es zu flach für uns. (Dabei dachte ich wenn wir die Bahamas verlassen wären auch die Probleme mit unserem Tiefgang erledigt🙄).

Mit 17 Knoten wahrem Wind aus 130 Grad haben wir ideale Segelbedingungen. escape kommt mit 10 bis 11 Knoten gut voran. Der Skipper ist in seinem Element. Sind wir vielleicht sogar zu schnell? Ich frage ihn ob wir reffen sollten um nicht zu früh in Fort Lauderdale zu sein. Aber wer den Skipper kennt weiss, dass er nicht freiwillig die Segelfläche verkleinert solange nicht zwingende Gründe vorliegen.

Wie vorausgesehen, merken wir deutlich den Effekt des Golfstroms. Der Unterschied zwischen gesteuertem Kurs und gefahrenem Kurs beträgt ungefähr 30 Grad. Auf dem unteren Bild unseres Kartenplotters ist dies gut zu erkennen: Die schwarze Linie ist der Kurs, den wir steuern, genau nach Westen. Die blaue Linie ist der Kurs den wir tatsächlich fahren. Die Differenz kommt durch den Golfstrom der uns nach Norden schiebt.

Hier noch einmal unsere Route von Bimini nach Fort Lauderdale:

Wir sind bereits um 12.30h am Inlet von Fort Lauderdale. Es ist Wochenende. Im Hafen ist Einiges los.

Vom Frachtschiff bis zum Opti (Kleinstsegelboot, siehe unten) ist hier alles unterwegs.

Das Problem ist, dass wir tatsächlich viel zu früh ankommen. Gerade ist Niedrigwasser. Im grossen Industriehafen ist es sehr tief, dort haben wir keine Probleme. Aber hinter der Klappbrücke wird es flach. Wir können erst hindurch fahren wenn das Wasser wieder gestiegen ist. Also drehen wir im Hafenbecken Kreise, was man sehr schön im Kartenplotter-Bild links unten erkennen kann.

Während der Skipper Fender und Leinen ausbringt um escape für die Marina vorzubereiten, steuere ich durch den Hafen. Auf einmal kommt ein Boot mit Blaulicht auf uns zu. Der Sheriff von Fort Lauderdale hält neben uns. „Komm sofort hoch“, schreie ich, denn der Skipper ist gerade unter Deck. Beim dritten Mal hört er mich endlich. Blöd dass wir keine US-Gastlandflagge gehisst haben. Aber die alte war verschlissen und auf den Bahamas haben wir keine neue bekommen. „Habt Ihr eine Ahnung warum ihr hier in der Ecke das einzige Boot seid?“ fragt er uns. Als ich nur mit den Schultern zucke erklärt er mir freundlich, dass Sportboote hier im Industriehafen nicht erlaubt sind. Schnell steuern wir escape aus der verbotenen Zone hinaus und der Sheriff fährt seines Weges.

Der Skipper studiert noch einmal die Gezeiten, doch es ist immer noch zu früh um unter der Brücke hindurch zu fahren. Jetzt drehen wir Kreise zwischen der Brücke und dem Industriehafen und versuchen dabei uns von dem regen Bootsverkehr, der unter der Brücke durchfährt freizuhalten. Langweilig wird es nicht. Neben dem Treiben im Hafen gibt es auch noch eine Flugshow, die an diesem Wochenende in Fort Lauderdale stattfindet. Mit ohrenbetäubendem Getöse rasen Jets in niedriger Höhe über uns hinweg.

Die Brücke passieren wir um 14.30h. Ganze zwei Stunde haben wir hier gewartet. Die Brückenwärter im Konrtrollhäuschen haben sich bestimmt auch gefragt, was das zu bedeuten hat. Die Einfahrt ist spannend. escape hat einen Tiefgang von 3,00m. Vor der Hafeneinfahrt gibt es einen kurzen Moment wo der Tiefenmesser nur noch 2,90m anzeigt, dann geht er wieder nach oben. Das Anlegen klappt perfekt, der Hafen hat nagelneue Schwimmstege. Es ist geschafft, wir sind wieder ihn den USA😊.

Doch noch sind wir nicht offiziell eingereist, wir müssen uns beim CBP, der amerikanischen Grenzschutzbehörde melden. Dies geht mittels Smartphone App. Leider funktioniert sie auf beiden Handys nicht. Als ich es zum Schluss noch einmal mit dem Tablet probiere klappt es auf einmal. Ein freundlicher Officer möchte uns beide per VideoCall sehen. Wir sind vorläufig einklariert und sollen uns nur noch im Büro melden um die Pässe zu stempeln. „Können wir auch morgen früh kommen?“ frage ich ihn. Kein Problem meint er wir haben 24 Stunden Zeit.

Auf dem Weg zum Abendessen schauen wir uns die Klappbrücke, unter der wir hindurch gefahren sind, noch einmal genauer an.

Wir sammeln erste Eindrücke von Fort Lauderdale: es ist offenbar ein Paradies für Motoryachten. Überall gibt es kleine und größere Wasserwege, wo Boote liegen. Man nennt es auch das „Venedig der Vereinigten Staaten“.

Wir haben Glück, in einem eigentlich ausgebuchten Restaurant mit langer Warteschlange vor der Tür finden wir einen kleinen Tisch im Barbereich. Dort stossen wir im Abendlicht auf unseren erfolgreichen Törn an. Die Stimmung ist toll. Die Leute lachen ausgelassen, ein DJ legt Latino-Musik auf, die Mädels vom Nachbartisch stehen spontan auf und tanzen. Da mache ich doch direkt mit 😀. Wow🤩. Während in Deutschland noch alle unter den Einschränkungen leiden merkt man hier von COVID aktuell nichts mehr. Wir sind überglücklich hier zu sein.

Am nächsten Morgen fahren wir pflichtgemäss als erstes zum offiziellen Einklarieren ins Büro des CBP. Als ich dem Officer erkläre das wir gestern nachmittag angekommen sind wird er zornig. Er schimpft. Ich bin mir keiner Schuld bewusst, da sein Kollege uns ausdrücklich erlaubt hat die 24 Stunden-Frist auszunutzen. Doch das interessiert ihn nicht. Auch die Regisitrierungsnummer, die sein Kollege mir gestern sorgfältig diktiert hat, damit ich sie hier vorlege möchte er nicht wissen. Sehr merkwürdig…

Dann get es weiter. Er erklärt uns, dass er unsere Aufenthaltsgenehmigung für die USA, die in Puerto Rico für 6 Monate ausgestellt wurde nicht verlängert. „Aber wir waren doch vier Wochen auf den Bahamas“ sage ich. Er hält das nur für einen Trick um unsere Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern und erklärt uns, dass man trotze B1/B2″ Visum nicht automatische 6 Monate Aufenthaltsgenehmigung bei Einreise bekommt. „Dies liegt im Ermessen des jeweiligen Beamten“ erklärt er uns. Anscheinend haben wir ihn auf dem falschen Fuss erwischt. Ich bin den Tränen nahe, aber er lässt nicht mit sich reden. Der Skipper meint, dass es besser ist den Rückzug anzutreten. Also ziehen wir von dannen. Meine Hochstimmung von gestern ist verflogen. Wie soll unsere Segelsaison funktionieren? Unsere Aufenthaltsgenehmigung geht bis Mitte September, doch wo sollen wir dann hin? In der Karibik ist Hurrikan-Saison. Eine Fahrt nach Kanada würde nicht reichen, das zählt nicht als Ausreise. Ich bin völlig fertig😔. Der Skipper sieht das Ganze deutlich entspannter. „Kommt Zeit, kommt Rat“ meint er. Wenn es tatsächlich an diesem einzelnen Beamten liegt, dann wird sich in der Zukunft wohl noch einmal eine Möglichkeit ergeben das Ganze wieder zu ändern. Ich beruhige mich nicht so schnell.

Aber glücklicherweise gibt es auch an diesem Tag etwas sehr Positives zu berichten. Wir erhalten unsere erste COVID Impfung. Kostenlose und völlig unproblematisch bekommen wir bei Walgreen’s die Pfizer Biontech-Impfung. Danke🙏 Amerika 🇺🇸.

Danach ist meine Stimmung wieder etwas besser, auch wenn ich das. VISA-Problem immer noch im Hinterkopf habe. Kurioserweise klariert die Crew der Valentin, die ebenfalls in Puerto Rico und danach auf den Bahamas war, ein paar Stunden nach uns ein und bekommt problemlos eine Aufenthaltsgenehmigung für ein komplettes halbes Jahr ab heute. Allerdings war diesmal ein anderer Officer am Schalter, eine Frau, die gerade Ihre Kollegen geschult hat, wie das korrekt abzulaufen hat.

12 Kommentare

  1. Wenn man sich nicht auskennt weiß man auch nicht was da für Probleme auftauchen können. Ich hätte ja keine Ahnung wo und was ich benötige. Ja die Bürokratie ist anscheinend nicht nur in Deutschland kompliziert aber so wie ich euch kenne habt ihr immer eine Lösung und seit ja auch bestes ausgerüstet . die Skipper hat die Sitiuation im Griff, davon bin ich überzeugt ! Kopf hoch es wird schon !

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      1. ich finde es halt echt kompliziert an was man da alles denken muss was die Papiere betrifft. Genehmigungen und all den Kram !
        Also da ist mal nichts mit segeln und anlegen wo und wann man möchte. Als Laie stellt man sich das so einfach vor !
        Auch handwerklich gehört doch eine große Menge „Wissen“ und „Geschick“ dazu. Also ich zieh doch immer öfters den Hut vor dem Skipper ! Kannst ihm ruhig mal ausrichten ! Er macht für mich einen tollen Job !!

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  2. „Dies liegt im Ermessen des jeweiligen Beamten“
    Das ist hier bei der Einreise leider der Fall. Ich hatte bei meinen vielen Einreisen von Deutschland aus einmal gar nicht hereingelassen wuerde. Man kann sich dann, wenn man nicht einverstanden ist, noch an seinen Vorgesetzten wenden, aber da frage ich mich, ob der anders entscheiden wuerde. Die weitaus ueberwiegende Anzahl der Beamten war aber immer superfreundlich – hoechstens einmal verschlafen nach langer Nachtschicht.
    Ich halte Euch die Daumen.

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  3. Ach, ich kann Dich so gut verstehen mit Deiner Niedergeschlagenheit, liebe Annemarie. Da leidet man beim Lesen wahrlich mit. Und es scheint tatsächlich so, dass dieser Beamte mit dem falschen Fuss aufgestanden ist. So schade, wir erlebten perfektes einklarieren mit einem mega freundlichen Officer in Charleston SC.

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