Südstaaten Flair in Savannah

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Stadtbesichtigung im Regen
Nachdem wir am Vortag in Savannah angekommen sind, machen wir am nächsten Morgen eine Führung, um etwas mehr über die Stadt und ihre Geschichte zu erfahren. Wir buchen eine zweistündige Tour zu Fuss durch den historischen Distrikt. Unser Führer macht seine Sache wirklich gut und erzählt eine Menge interessanter Dinge. Das einzige Problem ist nur, dass es fast die ganze Zeit regnet🌧. Zwischenzeitlich stehen die Strassen komplett unter Wasser. Doch davon lassen wir uns nicht unterkriegen, schliesslich sind wir Segler und auch sonst bei jedem Wetter draußen.

Amerikas erste geplante Stadt
Savannah wurde 1733 vom Engländer James Oglethorpe gegründet als er mit 120 Siedlern hier landete. Oglethorpe war ein Visionär. Er hatte klare Vorstellungen wie die Stadt aussehen sollte und kam mit einem fertigen Plan, nach dem die Stadt schachbrettartige angelegt wurde. Das Besondere daran waren die 24 Plätze, die die Bebauung alle paar Blocks auflockern. Sie dienten zur Verteidigung sowie als Geschäfts- und Kommunikationszentren innerhalb der Stadt. In den Anfängen der Besiedlung wurden nur die ersten Blocks, am Hafen fertigstellen; nach und nach wurden weitere hinzugefügt. Es dauerte über 100 Jahre bis der „Oglethorpe-Plan“ fertiggestellt war. Heute dienen die Plätze als „Grüne Oasen“ in der Stadt. Auch in der Sommerhitze ist es hier unter den alten Eichen angenehm kühl. So hat Oglethorpe vor fast 300 Jahren schon das berücksichtigt, was Stadtplaner heute fordern.

Columbia Square

Von den ursprünglich 24 Plätzen, gibt heute noch 22. Zwei mussten einer großen Straße weichen. In der Mitte des jeweiligen Platzes ist meist eine Skulptur, ein Brunnen oder Ähnliches. Bänke laden zum Verweilen ein.

Troup Square
Madison Square

Oglethorpe hatte außerdem klare Regeln, die in Savannah gelten sollten. Ursprünglich war die Sklaverei in Savannah verboten, harter Alkohol war untersagt. Diese Regeln wurden allerdings geändert nach dem Oglethorpe wieder nach England zurückgekehrt war. Während anderswo Menschen für Ihren Glauben verfolgt wurden, gab es in Savannah Religionsfreiheit. Die ursprünglichen 120 Siedler mussten sich für die neue Kolonie „Georgia“ bewerben. Oglethorpe und die adeligen Besitzer der neue Kolonie wählten sie nach ihren Kenntnissen und handwerklichen Fähigkeiten aus, die beim Aufbau der neuen Kolonie gebraucht wurden. Dafür bekam jede Familie ein Grundstück in der Stadt sowie ein Stück Land außerhalb, um Landwirtschaft zu betreiben.

Ich bin fasziniert von der Geschichte und der Schönheit der Stadt. Nach unserer Stadtführung nehmen wir ein schnelles Mittagessen. Danach gehen wir kurz zu escape zurück, um uns trockenzulegen dann geht es weiter.

Owens-Thomas-House
Wir besuchen das Owens-Thomas-House, eines der vielen historischen Häuser in Savannah, die man besuchen kann. Hier sehen wir die beiden Extreme des damaligen Lebens in Savannah: auf der einen Seite die reichen Hausbesitzer, auf der anderen Seite ihre Sklaven, die keinerlei Rechte hatten und der Willkür ihrer Besitzer ausgeliefert waren. Die Ausstellung ist sehr informativ. Ich hab jetzt das Gefühl einen etwas differenzierteren Blick auf das damalige Südstaaten-Leben zu haben, als man es vielleicht aus Filmen kennt.

Als wir aus dem Owens-Thomas hinauskommen regnet es immer noch. Also machen wir eine „Trolley-Tour“, in der man in einem überdachten Wagen durch die Stadt gefahren wird. Alternativ hätten wir auch eine Pferdekutsche nehmen können, aber der Skipper präferiert den Trolleybus. Dabei wird wiederum Einiges zur Geschichte und den Sehenswürdigkeiten der Stadt erzählt. Man kann an jedem Stop ein- und aussteigen. Da es aber weiterhin regnet, bleiben wir sitzen und machen einmal die 90-minütige Rundfahrt ohne Pause. Am Ende steigen wir wieder am Hafen aus. Die restaurierten Geschäfts- und Lagerhäuser sind heute das Zentrum des touristischen Treibens in Savannah.

Hier steht auch die Statue, des „winkenden Mädchens“, was die vorbeifahrenden Schiffen grüsst.

Mit escape liegen wir quasi mittendrin im Zentrum von Savannah. Die Restaurants und Bars sind voll. Savannah ist übrigens einer der wenigen Orte in den USA, wo auf öffentlichen Plätzen und Strassen Alkohol getrunken werden darf. Entsprechend angeheitert sind manche Besucher. In der Nacht erschrecken wir uns als ein offensichtlich angetrunkener Passant auf unserem Steg steht und die Fender an Deck wirft. Als wir ihn fragen was er da macht antwortet er „Ich wollte nur spielen“. Nur mit Mühe können wir ihn davon abbringen an Bord zu kommen. Als er seines Weges zieht atmen ich auf. 😮‍💨 Es hat auch seine Nachteile mitten in der Stadt zu liegen.

Noch schöner – Savannah bei Sonnenschein
Am nächsten Tag scheint die Sonne☀️ . Das nutzen wir für einen ausgedehnten Spaziergang. Bei dem schönen Wetter macht das Sightseeing noch mehr Spaß.

Am Lafayette Square steht die „Johannes de Täufer“-Kirche.

Das Armstrong-Kessler-Haus ist ein Beispiel für den italienischen Renaissance Stil. Zwischenzeitlich beherbergte es eine Anwaltskanzlei, jetzt ist es wieder in Privatbesitz.

Details wie die historischen Gaslaternen oder die verzierten Regenrinnen wurden in Savannah sorgfältig restauriert.

Wir durchqueren die historische Altstadt bis zum Forsyth Park. Der Park ist eine Oase in einer ohnehin schon „grünen Stadt. Hier gibt es besonders viele der moosbehangenen alten Eichen.

Mitternacht im Garten von Gut und Böse
Am Nachmittag steht eine weitere Hausbesichtigung auf dem Programm. Wenn man sich über Savannah informiert stösst man zwangsläufig auf das Buch „Mitternacht im Garten von Gut und Böse“ von John Berendt,. Dieses Buch, mit dem seltsamen Titel, basiert auf einer wahren Geschichte. Es beschreibt einen möglichen Mordfall und dessen Aufarbeitung, sowie allerlei bunte Charaktere, die der Autor bei seinen Recherchen in Savannah trifft. Dabei werden die unterschiedlichen Einstellungen und Lebensweisen der Einwohner von Savannah sehr lebhaft beschrieben. Das Haus in dem sich der Kriminalfall zugetragen hat, kann man heute besichtigen. Die Geschichte wurde von Clint Eastwood verfilmt. Mir persönlich hat das Buch besser gefallen, da es näher an der Originalgeschichte ist und die Komplexität des Falles besser darstellt. Falls man vor hat Savannah zu besuchen, empfiehlt es sich auf jeden Fall zur Einstimmung dieses Buch zu lesen.

Mercer-Williams-Haus

Telfair Museen
Nachdem wir gestern das Owens-Thomas-Haus besichtigt haben, nutzen wir jetzt noch unsere Eintrittskarten, um die anderen beiden Standorte der Telfair Museen zum besuchen. Wir besichtigen die Telfair Academy, die im ehemaligen Herrenhaus der gleichnamigen Familie untergebracht ist. Zum Abschluss gehen wir dann auch noch ins das dritte Haus der Telfair Museen, das Jepson Center in dem Moderne Kunst untergebracht ist. Damit haben wir den Tag wirklich intensiv genutzt.

Abends schmerzen die Füsse, aber ich bin glücklich so viel von Savannah gesehen zu haben. Zum Abschied gibt es noch einen Drink auf einer Dachterrasse über dem Savannah River.

Fazit
Für mich war Savannah eines der schönsten und interessantesten Zeile unserer bisherigen Reise. Auch wenn die Stadt naturgemäß sehr touristisch ist, hat sie sich doch ihren Charme bewahrt. Die Kombination von historischer Architektur, einzigartigen Plätzen und Südstaaten-Lässigkeit ist etwas ganz Besonderes.

Praxistipp
Wenn man Zeit hat und die Reise plant, empfiehlt es sich nicht nur am Wochenende dort zu sein, denn dann wird es deutlich voller. Auch Restaurant-Reservierungen sollte man im Voraus tätigen. Wir hatten das Problem, dass viele Restaurants, die uns gut gefielen, keinen Platz mehr frei hatten.

Relevante Links

Die Geschichte von Savannah auf visitsavannah.com.

Things to Do In Savannah auf visitsavannah.com

CN Traveler, Best Things To Do in Savannah

Die Trolle Tour haben wir mit Old Savannah Tours gemacht.

Übersichtsartikel über die verschiedenen historischen Häuser in Savannah, die man besichtigen kann

Owens-Thomas House & Slave Quarters

Buch „Mitternacht im Garten von Gut und Böse“ bei Amazon

Film „Mitternacht im Garten von Gut und Böse“ von Clint Eastwood“

Mercer Williams House, Savannah

Telfair Museen, Savannah

Rooftop Bars in Savannah

3 Kommentare

  1. Ich muss sagen, dass mir die Aufnahmen beim Regen fast schon besser gefallen. Bei Regenwetter hat man so ein faszinierendes Licht, ganz anders als sonst. Interessant, die Geschichte dieser Stadt. Und gut, dass ihr euren ungebetenen Besucher losgeworden seid…

    Liebe Grüße
    Kasia

    Gefällt 1 Person

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