escape trifft „Fackeln im Sturm“

Gepostet von

escape liegt nach wie vor im am Patriots Point gegenüber der Innenstadt von Charleston vor Anker. Die Frage ist: Was machen wir in den nächste Tagen? Wie möchten wir unseren Aufenthalt in Charleston gestalten? Während der Skipper für alles zuständig ist, was mit dem Boot und der Navigation zu tun hat bin ich für die Aktivitäten an Land zuständig. Ich studiere Reiseführer und Webseiten um mir einen Überblick über Charleston zu verschaffen.

Ich möchte auf jeden Fall eine Plantage besichtigen. Mein Bild von den Südstaaten der USA wurde geprägt vom Fernsehen in den 80 Jahren mit „Vom Winde verweht“ und „Fackeln im Sturm“. 😀 Ich bin mir bewusst, dass das nicht der historischen Realität entspricht. Aktuell werden solche Film- und Fernsehproduktionen scharf kritisiert, da sie ein falsches Bild von der Zeit der Sklaverei zeichnen und die Brutalität des Systems nicht ausreichend widerspiegeln. Eine Grund mehr sich das Ganze einmal vor Ort anzuschauen.

Bei meinen Recherchen stelle ich fest, dass eine der interessantesten Plantagen ganz in der Nähe unseres aktuellen Ankerplatzes liegt. Kurzum bestelle ich ein Uber mit dem Ziel „Boone Hall Plantation“. Langsam fahren wir durch die Allee aus alten Eichen zum Haupthaus der Plantage. Pferde galoppieren nebenan auf der Koppel. Ich bin fasziniert von der Schönheit dieses Ortes🤩; jetzt fehlt nur noch, dass Patrick Swayze alias „Ory Maine“ um die Ecke geritten kommt. Ich merke, dass es mir schwer fällt, das Ganze objektiv und distanziert zu betrachten.

Während mir diese Gedanken durch den Kopf gehen sagt der Skipper: „Das kenne ich aus dem Fernsehen“. Ich lache und denke er meint nur, dass es Ähnlich aussieht, wie die Bilder, die man aus dem Fernsehen kennt. Doch als wir kurze Zeit später das Haupthaus besichtigen stelle ich fest, dass er recht hat. Hier wurde tatsächlich die Miniserie „Fackeln im Sturm“ gedreht. Im Wohnzimmer hängen Fotos von den Dreharbeiten. Damals wurde die Plantage drei Monate komplett gesperrt und dem Filmteam exklusiv zur Verfügung gestellt.

Allerdings wurde das herrschaftliche Haus, was heute hier steht erst 1940 von einer kanadischen Familie erbaut als diese die Plantage erwarb. In den Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges stand hier ein viel kleineres Haus.

Wir spazieren in aller Ruhe über die Anlage. Das älteste Gebäude muss mit Pfeilern abgestützt werden und wartet gegenwärtige auf seine Renovierung.

Die Eichenallee ist ca. 150 Jahre alt; die ältesten Eichen auf der Plantage sind über 300 Jahre alt. Wir erfahren, dass sogar schlimme Hurricanes, die in der Umgebung großen Schaden angerichtet haben, den Eichen nichts anhaben konnten.

Besonders schön finde ich das alte Bootshaus. Es wirkt wie ein verwunschener Ort aus einem Märchen. Hier wurden früher die Erzeugnisse der Plantage auf Boote verladen und zum Verkauf nach Charleston gebracht. Der Wasserweg war damals der Haupt-Transportweg. Vielleicht hätten wir auch mit dem Beiboot kommen können?😉Aber sehr wahrscheinlich wäre es doch etwas weit gewesen.

Es gibt eine Vielzahl an Angeboten für Besucher. Wir hören die Geschichte der verschiedenen Besitzer der Plantage. Anschliessend hören wir eine Vortrag über die Sklaven, die hier gelebt und vor allem schwer geschuftet haben. In jedem der kleinen Häuschen der ehemaligen Sklavenquartiere gibt es eine Ausstellung über einen bestimmten Aspekt des Lebens der damaligen Bewohner. So erhält man einen ausgewogenen Blick auf die Zeit vor dem Bürgerkrieg. Letztendlich war der Reichtum und Luxus der Bewohner im Herrenhaus nur durch die Ausbeutung der Sklaven möglich.

Zum Abschluss machen wir mit dem Planwagen eine Tour über die Ländereien der Plantage. Sie wird auch heute noch landwirtschaftlich genutzt. Unter anderem werden Erdbeeren, Wassermelonen und Pfirsiche angebaut.

Bei unserem Besuch der Plantage haben wir nur einen Fehler gemacht: Wir sind zu spät gekommen. Jetzt bleibt uns nicht genügend Zeit alles anzuschauen und die vielen Angebote, die ihm Eintrittspreis enthalten, sind zu nutzen. Als wir ein Uber für die Rückfahrt rufen möchten haben wir ein Problem: Es sind keine Autos verfügbar. Einer der freundlichen Mitarbeiter der Plantage sieht uns am Ausgang sitzen und nimmt uns kurzerhand im Auto mit. Wie viele seiner Kollegen ist er Rentner. Er arbeitet hier in Teilzeit, um sich die Zeit zu vertreiben. Wir bedanken uns vielmals und sagen ihm, dass er uns irgendwo am nächsten Ort ‚rauslassen kann, wo wir dann ein Uber oder Taxi bekommen. Aber er lässt es sich nicht nehmen uns bis zum Hafen zu fahren, wo unser Beiboot liegt; wieder einmal ein Beispiel für die typisch amerikanische Freundlichkeit erleben.

Am nächsten Morgen ist es dann Zeit endlich der Innenstadt von Charleston einen Besuch abzustatten. Von unserem aktuellen Liegeplatz müssten wir dafür quer über den Cooper River fahren. Hier steht oft viel Schwell und es herrscht reger Schiffsverkehr.

Darum beschliessen wir unseren Liegeplatz zu wechseln. Von der SY Vairea wissen wir, dass sie vor einigen Tagen auf der anderen Seite im Ashley River gut gelegen haben. Wir gehen Anker auf und verholen uns dorthin. Hier im Ashley River ist es deutlich ruhiger, der Fluss ist schmaler, es fahren keine Frachtschiffe. Direkt gegenüber liegt das Megadock der großen Safe Harbor Marina. Wir überlegen kurz ob wir in den Hafen gehen sollen. Aber uns gefällt der Liegeplatz im Fluss und mit dem Dinghy sind wir hier jederzeit schnell im Hafen und an Land.

Von hier sind wir zu Fuss in ein paar Minuten in der historischen Altstadt von Charleston. Jetzt kann der nächste Teil unseres Sightseeing Programms beginnen.

Relevante Links

Übersichtsartikel über die verschiedenen Plantagen in der Nähe von Charleston
Charleston Plantations Guide von Independent Travelcats
Visit Historic Charleston über die Plantagen
Charleston Coast Vacations über die vier besten Plantagen in der Nähe von Charleston

Offizielle Website der Boone Hall Plantage, Mt. Pleasant, North Carolina

Bericht der SY Vairea über Charleston

Safe Harbor Marina Charleston City

7 Kommentare

  1. Liebe Annemarie,
    einen spannenden Tag habt ihr da entdeckt. Ich glaube, es würde mir genauso ergehen; beim Anblick der Plantagen und der Herrenhäuser hätte ich wohl Kopfkino aus „Vom Winde verweht“ und eventuell noch „Diango Unchained“. Vielleicht lag die Wahrheit irgendwo dazwischen. Gab es auf den Plantagen eine Art Aufarbeitung in Form von Museumsräumen, Infotafeln oder ähnlichem? Damals ist ein großes Unrecht geschehen, und dieses Unrecht wird bis in die heutige Zeit fortgeführt. Es reicht nicht, die Menschen zu „befreien“, die Feindlichkeit und der Rassismus existieren und eskalieren weiterhin. Auf jeden Fall möchte ich auch irgendwann auf euren Spuren wandeln und mir diese Gegend ansehen, Geschichte so nah zu erleben kann schon sehr reizvoll sein.

    Liebe Grüße
    Kasia

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.