Gewitterfahrt ⛈ von Charleston nach Cape Lookout

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Insgesamt waren wir 10 Tage lang in Charleston. Es ist selten, dass wir so lange an einem Ort bleiben, wenn nicht gerade Bootsarbeiten uns dazu zwingen. Aber das Südstaaten-Flair von Charleston hat uns einfach begeistert. Jetzt wird es Zeit weiter Richtung Norden zur segeln. Vorher wird noch einmal ordentlich Proviant gebunkert.

Am nächsten Morgen um 7.30 h gehen wir Anker auf. Ich sehe mehrere Delfine🐬 im Fluss. Auch die Pelikane sind schon unterwegs. Bei der Ausfahrt haben wir noch einmal einen schönen Blick auf die feinen Häuser von Charleston.

Der Skipper navigiert Richtung Atlantik. Während ich so in Gedanken versunken dasitze, höre ich auf einmal unseren Bootsnamen auf dem Funk.Der Frachter hinter uns ruft uns. Er bittet uns ganz rechts zu fahren, da von vorne ein anderes Frachtschiff entgegen kommt, spannend. Wir können das Fahrwasser nicht verlassen, denn daneben ist es zu flach. Aber es ist Platz genug. Im Vergleich zum Savannah River ist das hier eine Autobahn.

Nachdem wir das offene Meer erreicht haben, setzen wir Segel. Es ist nicht viel Wind. Bei 10 Knoten aus 140 Grad macht escape 7 Knoten Fahrt, nicht schnell aber es reicht.

Später wird der Wind sogar noch etwas weniger. Wir sind sehr langsam unterwegs, was insbesondere dem Skipper gar nicht gefällt. Da sehen wir dunkle Wolken aufziehen. Das sieht gar nicht gut aus😟. Vielleicht haben wir Glück und das Unwetter wird an uns vorbeiziehen?

Bei der ersten Gewitterfront funktioniert es tatsächlich. Wir kommen seitlich vorbei. Der Skipper freut sich, dass er endlich genug Wind hat. Doch auf der anderen Seite ist noch eine bedrohlich wirkende dunkle Wand. Der Wind nimmt weiter zu. Wir rollen die Genua weg. Der Skipper geht unter Deck um sich Regensachen anzuziehen. Da bricht oben die Hölle los. Es stürmt, es donnert und blitzt. Der Skipper will das Grossegel einholen, aber es klemmt. Wir können es nicht einrollen. Eine Sturmböe nach der anderen peitscht über das Deck. Das Grossegel hängt jetzt an einer der fliegenden Backstagen. Oh je😮. Ich fühle mich völlig hilflos und den Elementen ausgeliefert. Der Skipper sitzt nach wie vor am Mast und hofft auf eine Chance das Segel einzurollen. Es blitzt immer weiter; das Gewitter ist jetzt genau über uns. Letzte Woche ist an einem Strand in der Nähe von Charleston eine Schülerin vom Blitz erschlagen worden. Warum muss ich jetzt gerade daran denken? Plötzlich dreht der Wind. Dadurch kommt das Segel frei. Der Skipper kann es einrollen. Glück gehabt.

Es schüttet wie aus Kübeln, nirgendwo an Deck gibt es noch eine trockene Stelle. Aber ich kann auch nicht unter Deck gehen. Ohne Segel schaukelt escape wild in den Wellen hin und her, da würde mir unten sofort übel werden. Also kauere ich an Deck und hoffe, dass es bald vorbeigeht. Das Gewitter und der Sturm sind dann auch relativ schnell vorbei aber der Regen bleibt.

Als es endlich aufhört ziehen wir uns trocken Sachen an. Der Skipper schaut auf die Instrumente. Was war die maximale Windgeschwindigkeit? 64,5 Knoten das entspricht Windstärke 12! Ab 64 Knoten spricht man von einem Orkan. Gut, dass ich das in dem Moment nicht gewusst habe. Sonst wäre meine Panik noch größer gewesen.

So schnell wie der Wind gekommen ist verschwindet er auch wieder. Wir ziehen ds Grossegel wieder ‚raus. Es ist nur am Achterliek leicht beschädigt. Wir können damit noch segeln. Doch leider haben wir Jetzt zu wenig Wind und müssen den Motor dazu nehmen, blöd.

Die ganze Nacht über sehen wir Wetterleuchten am Horizont, was ich irgendwie bedrohlich finde. Aber die Nacht verläuft ansonsten ruhig. Am Morgen zeigt sich der Atlantik dann von seiner Sonnenseite. In den letzten 24 Stunden haben wir die ganze Bandbreite des Fahrtensegelns erlebt. Von Flaute bis Orkan war alles dabei.

Am frühen Nachmittag kommen wir am Ankerplatz von Cape Lookout an. Die Bucht ist bei Fahrtenseglern sehr beliebt. Wenn man sich umschaute weiss man warum. Wir liegen hier sehr ruhig, es ist Platz genug und man hat einen schönen Blick auf den weißen Strand und den Leuchtturm. Abends treffen wir uns am Strand mit anderen Seglern. Endlich sehen wir auch die SY Flora wieder, die wir seit sie Antigua im Februar verlassen haben, nicht mehr gesehen haben. Zum Sonnenuntergang sind wir wieder an Bord.

Am nächsten Tag müssen wir erst einmal Einiges erledigen, was wir während unseres Aufenthaltes in Charleston vernachlässigt haben. Der Skipper arbeitet für die Firma und macht Boatwork. Ich muss mich um die Hausarbeit kümmern. Nachmittags wollen wir eine Tour zum Leuchtturm machen. Als wir im Dinghy sitzen ist es am Horizont tiefschwarz. Das ist nicht das geeignete Wetter für einen Spaziergang- also bleiben wir an Bord.

Schade, ich hätte mir Cape Lookout gerne noch an Land angeschaut. Aber glücklicherweise ist der Blog von Ralf von der SY Flora tagesaktuell. So kann ich abends lesen, was ich tagsüber verpasst habe. Er hat wieder jede Menge interessanter Fakten zu unserem Aufenthaltsort zusammengetragen. Und dank Ralf weiss ich jetzt auch, dass der hübsche weiße Vogel mit den gelben Füßen, der mir gestern schon aufgefallen ist, ein Schmuckreiher ist. 😊

Nur schade, dass ich kein Foto von escape mit dem schönen Leuchtturm von Cape Lookout habe, wo es doch farblich so schön harmoniert. Einige Tage später schickt Ralf mir dieses Foto🤩😊🤩😊.

escape am Ankerplatz Cape Lookout, Foto: Ralf Gerking, SY Flora

Relevante Links

Blogartikel der SY Flora zu Cape Lookout

8 Kommentare

  1. Prima, dass Ihr Gewitter und Wind von Orkanstaerke so gut ueberstanden habt. Nur eine kleine Beschaedigung am Gross muss man da ja wohl wirklich als Glueck bezeichnen!
    Um es einmal ganz deutlich/drastisch zu sagen: vor Gewittern auf See habe ich wirklich „Schiss“! Bei meiner Segelei bin ich zum Glueck nur zwei Mal Gewittern begegnet.
    Das erste Mal war es auf einem Ueberfuehrungstoern vor Portugals Kueste. Da kuendigte sich das Gewitter schon lange vorher durch Knacken und Krachen im UKW-Telefon an, und auch auf dem Radar war es voraus, genau auf unserem Kurs, zu sehen. Das hat unseren Skipper damals zu einem radikalen Haken von 90 Grad zu unserem geplanten Kurs veranlasst, und wir sind auch ohne Kontakt mit dem Gewitter davongekommen.
    Das zweite Mal war es bei einem Urlaubstoern auf der Ostsee, auf dem Weg von Samsoe nach Grenaa. Da kam ein Gewitter auf, dem wir nicht ausweichen konnten, denn es war ringsum. Zum Glueck war nie ein Blitz nahebei. Auch war kein besonderes starker Wind. Ich habe dann sogar die Maschine mitlaufen lassen, um so schnell wie moeglich den Hafen zu erreichen, und wir waren heilfroh, als wir in der Marina in Grenaa festgemacht hatten.
    Ich habe mir zwar sagen lassen, dass man auf einen Segelboot – zumindest wenn man sich innerhalb der Wanten und Stage aufhaelt und kein Metall beruehrt – sicher ist, in einem sogenannten Faraday’schen Kaefig, aber andererseits ist der eigene Mast nun einmal weit und breit der hoechste Punkt und somit ein idealer Einschlagspunkt fuer einen Blitz, der sich dann ja bekanntlicherweise den kuerzesten Weg zur Erde sucht, und der fuehrt eben durch den Mast zum Kiel und dort wieder hinaus – wobei er ein ziemliches Loch hinterlassen kann. Das jedenfalls, wenn – wie damals auf unserer Charteryacht – der Mast auf dem Kiel steht und nicht geerdet ist.
    Aber wie gesagt: zum Glueck Alles gut gegangen.
    Liebe Gruesse, und weiterhin Mast- und Schotbruch,
    Pit

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    1. Hallo Pit, dann hast Du ja auch schon so Einiges auf See erlebt. Das mit dem Gewitter ist so eine Sache. Mir machst es immer Angst zumal wir mit mehreren Segelbooten Kontakt hatten, wo wirklich der Blitz eingeschlagen ist. Das ist nicht lustig. Aber wir sind ja noch einmal davongekommen. Beim nächsten Mal machen wir die Segel früher weg.

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  2. Ich würde mir in die Hose machen bei einem Gewitter. Man ist da doch völlig ausgeliefert ohne eine Chance zu haben sich unterzustellen oder ähnliches.
    Früher habe ich bei meinen Bergtouren auch immer gehofft, nicht in ein Gewitter zu kommen. 2 x bin ich es dann aber doch. 1 x auf einem Gletscher, da bist du auch verloren . Wo soll man da in Deckung gehen ?
    1 x auf ca. 2000 m Höhe aber da stand zum Glück eine alte steinerne Unterstandshütte. Blitzableiter gibt es dort natürlich nicht, aber trotzdem gibt sie eine gewisse Sicherheit.
    Die Lautstärke eines Gewitters in den Bergen ist natürlich auch heftig !

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