Bootsarbeiten für Fortgeschrittene

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Ein Hafenaufenthalt bedeutet auch immer Bootsarbeiten. Obwohl wir vor vier Wochen in Fort Lauderdale viel am Boot gemacht haben ist die To-Do-Liste jetzt schon wieder ziemlich lang. Da trifft es sich gut, dass wir in der Segelhauptstadt Annapolis liegen, wo es alle Arten von Servicefirmen und Bootszubehörläden gibt.

Beispielsweise haben zwei unserer aufblasbaren Fender eine undichte Stelle. Hier kann ich sie zum Reparieren geben. Kurz darauf ruft mich die Service-Firma an, ob wir nicht lieber zwei neue Fender kaufen möchten, die wären auch nicht viel teurer als die Reparatur. Doch wir lassen lieber die alten reparieren. Erstens ist es nachhaltiger, zweitens wäre es für den Skipper nur schwer erträglich wenn die Fender nicht exakt gleich aussähen😉.

Wartung🔧 des Generators
Zum ersten Mal übernimmt der Skipper die Wartung des Generators selber. Bis jetzt haben wir das immer vom Hersteller empfohlenen Servicefirmen übertragen. Wie sieht das aus auf einer Segelyacht die nicht nur Fortbewegungsmittel sondern auch gleichzeitig unser Zuhause ist? Man kann sich das in etwa so vorstellen als würde man den Ölwechsel seines Autos im Wohnzimmer durchführen🤣.

Der Skipper bereitet alles sorgfältig vor, schon seit Tagen hat er leere Plastikkanister gesammelt um das Altöl einzufüllen.

Das Öl wird manuell abgepumpt, hier ist meine ganze Muskelkraft 💪 gefragt. Der Impeller und die Zinkanode werden getauscht, wie man sieht war das dringend nötig.

Insgesamt ist so eine Generatorwartung ganz schön aufwendig. Dabei muss der Skipper für jeden Schritt tief in den Motorraum kriechen.

Das Altöl können wir glücklicherweise beim Bootsservice im Hafen fachgerecht entsorgen. Als dann alles fertig ist bin ich noch einmal dran: jetzt müssen alle Ölspuren im Salon beseitigt werden.

Wartung🔧 des Motors
Am nächsten Tag geht das gleiche Spiel wieder von vorne los. Heute ist die Wartung des Motors dran. Doch als wir das Öl abpumpen wollen gibt es ein Problem. Die Öffnung, durch die wir das Öl abpumpen wollen, ist zu klein, beziehungsweise unser Schlauch zu dick. Was macht der Skipper? Er schickt mich los einen Schlauch mit geringerem Durchmesser zu besorgen. Das sind Aufgaben, wie ich sie liebe 😬. Zuerst probiere ich es im Bootsservice unserer Marina, aber dort gibt es soetwas nicht. Mit dem Uber fahre ich zum Westmarine (eine der grössten Marinebedarfsketten in den USA). Dort erklärt man mir, dass sie nicht ansatzweise so einen kleinen Schlauch hätten. Ich probiere es gegenüber im Baumarkt, aber auch hier habe ich kein Glück. Einigermaßen entnervt 😕 frage ich den Mitarbeiter des Baumarkts, ob er noch einen Tipp für mich hat. Er empfiehlt mir einen anderen Bootsbedarfsladen. Also laufe ich trotz der brütenden Mittagshitze auch noch dorthin. Der Laden ist wirklich gut sortiert, aber den Schlauch, den ich benötige, haben auch sie nicht. Ratlos stehe ich vor der Tür. Was mache ich jetzt?🤨 Ich bin sicher der Skipper wird es meiner Unfähigkeit zuschreiben, dass ich den Schlauch nicht bekomme. Da bekomme ich eine WhatsApp.

Der Skipper schreibt, ich solle zum Boot zurückkommen, es habe sich erledigt. Was hat das zu bedeuten? An Bord empfängt mein Mann mich kleinlaut und mit ausgesuchter Liebenswürdigkeit. Er lässt sich sogar dazu hinreißen, mir ein paar neue Schuhe zu versprechen😊. Was ist passiert? Nach längerem Suchen hat er festgestellt, dass er die falsche Öffnung zum Abpumpen des Öls verwendet hat. Die richtige Öffnung ist breit genug für den Schlauch, den wir haben. Die ganze Aktion war komplett umsonst🤣🤣🤣. Ich nehme es mit Humor, hat es doch gezeigt, dass auch der Skipper nicht unfehlbar ist😉. Ich nehme meinen Platz an der Pumpe wieder ein. Ohne weitere Zwischenfälle wird die Wartung des Motors vollendet.

Einige Tag später arbeitete der Skipper dann auch noch an der Hydraulik. Dadurch wird wieder Öl im Salon verteilt. Insgesamt kann ich also dreimal in einer Woche auf Knien über den Boden rutschen und die Ölflecken mühsam entfernen.💪🧽 😬.

Bei soviel Bootsarbeiten ist es auch schön ab und zu einfach nur den Enten im Hafenbecken zuzuschauen.

Der Bewuchs an escape’s Wasserpass scheint für sie eine besondere Delikatesse zu sein.

Grossegel
Bei unserer Gewitterfahrt nach Charleston vor einigen Wochen hatten wir uns einen Riß am Achterliek des Grossegels geholt. Noch bevor wir in Annapolis angekommen sind, haben wir das hiesige North Sails Loft kontaktiert. Das Segel wurde abgeholt, repariert und kommt eine gute Woche später wieder drauf.

Törnplanunng
Während wir in Annapolis liegen überlegen wir uns wie unsere Reise in den nächsten Wochen und Monaten weitergehen soll. Wir möchten unbedingt nach Deutschland fliegen, doch die Grenzen der USA sind nach wie vor für Einreisende aus der EU geschlossen. Das heisst wir kommen nicht so ohne Weiteres zurück zu escape. Trotzdem buchen wir schliesslich einen Flug nach Deutschland, allerdings nur einen Hinflug. Wir hoffen, dass die Grenzen im Laufe des Sommers aufmachen. Falls nicht, müssen wir einen vierzehntägigen Aufenthalt in einem Drittland dazwischenschieben, um wieder nach Annapolis zurück zu zu kommen. Das bedeutet zwangsläufig, dass unsere Liste der Bootsarbeiten sich noch einmal verlängert. Wenn wir das Boot längere Zeit alleine lassen, müssen noch einige Vorkehrungen getroffen werden.

Wassermacher
Da ist zunächst einmal der Wassermacher. Er muss regelmässig gespült werden. Wenn er längere Zeit nicht benutzt wird, muss er vorher mit einer speziellen Konservierungslösung behandelt werden. Um diese grössere Menge an Konservierungslösung einzuleiten baut der Skipper einen Bypass in die Leitungen. In der Werkstatt bereitet er alles vor.

Dann muss er wieder unter die Bodenbretter kriechen.

Nachdem die Leitungen vorbereitet sind, nehmen wir eine riesigen Bottich mit Wasser, füllen die Flüssigkeit genau nach Anweisung ein und leiten das Ganze in den Wassermacher, der dann 10 Minuten mit der Konservierungslösung gespült wird.

Kühlschränke
Beide Kühlschränke sollen werden während unserer Abwesenheit von Strom genommen. Das heisst sie müssen abgetaut und gründlichst gereinigt werden. Das übernimmt der Skipper selbst, da er der Meinung ist, dass ich es nicht sorgfältig genug mache. Auch hier ist er mit vollem Körpereinsatz dabei. Außerdem nutzt er die Gelegenheit um die Dichtungen des Kühlschranks auszutauschen.

Zwischenzeitlich erledigt der Skipper noch einige kleinere Dinge. Er hat ein neues Ordnungssystem für das Bootsputzzubehör eingebaut und sägt die neuen Duschdichtugen zurecht, die er sich hat schicken lassen.

Sonnensegel
Eines Morgens wache ich auf, weil noch vor 7.00h jemand an Deck ‚rumläuft. Was hat der Skipper jetzt schon wieder vor? Ich stelle mich schlafend💤 . Aber es hilft nichts. Wir müssen das Sonnensegel abbauen. Das geht am Besten frühmorgens, wenn noch keine Wind ist. Also ‚raus aus den Federn, die entsprechenden Segelsäcke an Deck bringen und dem Skipper beim Einrollen helfe. Anschließend müssen alle Segel abgedeckt werden. Das machen wir nur selten, aber bei längerer Abwesenheit empfiehlt es sich die Segel zu schützen. Nachdem der Skipper so ziemlich alle Bodenbretter angehoben hat, findet er schließlich die entsprechenden Persennings. Nach ungefähr einer Stunde sind alle Segel verpackt. Anschießend bringe ich das Sonnensegel zum Reinigen

Danach werden noch die Steuerräder und Winschen abgedeckt. Ganz zum Schluß werden die Polster aus dem Cockpit innen verstaut und dann ist escape tatsächlich fertig für unsere Abfahrt.

Die To Do Liste ist allerdings noch nicht komplett abgearbeitet. Wenn wir wieder zurück sind, muss beispielsweise noch der Motor des Beibootes gewartet werden. Die bereits vorbereiteten Duschdichtungen müssen eingebaut werden. Es hört nie auf…

7 Kommentare

  1. Glücklich, wer immer nur chartert! 😀
    Fuer Euren Flug nach Deutschland wuensche ich jetzt schon mal Allles Gute, und dass es klappt, ehe vielleicht auch hier die Grenzen dicht gemacht werden. Und des Weiteren, dass Ihr spaeter auch problemlos in die USA zurueck kommt.
    Liebe Gruesse,
    Pit

    Gefällt 1 Person

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