Von den Thimble Islands nach Block Island

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Wo ist der Wind?
Nach nur einer Nacht auf den Thimble Islands geht es am nächsten Morgen noch vor dem Frühstück weiter. Um kurz nach acht hole ich den Anker hoch. Das Wasser am Ankerplatz ist spiegelglatt, ein wunderschöner Morgen. Das Ganze hat nur einen Haken: es ist kein Wind

Wir fahren unter Motor mehrere Stunden lang den Long Island Sound Richtung Osten. Wie am Vortag ist es drückend heiß. Was ist bloß los? Im vergangenen Jahr sind wir im Long Island Sound so schön gesegelt. In diesem Jahr haben wir jetzt schon den zweiten Tag in Folge totale Flaute.

Foto: Mareike Guhr

Wir bemerken ein interessantes Muster an der Wasseroberfläche. Wie durch eine unsichtbare Grenze getrennt, ist das Wasser auf der einen Seite wellig, auf der anderen Seite bis hin zum Horizont spiegelglatt.

Irgendwann kommt ein bisschen Wind. Wir setzen den Code Zero. Es klappt; escape läuft fünf Knoten, das soll uns heute reichen.

Aber nach und nach wird es weniger. Nach einer Dreiviertelstunde rollen wir das Segel wieder ein und motoren das restliche Stück bis Block Island. Die Urlaubsinsel mit herbem Charme hat uns im vergangenen Jahr gut gefallen. In der schmalen Einfahrt zum Great Salt Pond herrscht rege Betriebsamkeit.

Ich bereite den Anker vor.

Der Ankerplatz ist ziemlich voll, aber wir finden noch ein Plätzchen. Hinter uns liegt eine schmucke Klassik-Yacht mit passendem Beiboot.

Landgang
Mit dem Dinghy fahren wir an Land. Das riesige Dinghy Dock ist voll belegt.

Wir laufen nach New Shoreham. Nach dem langen Tag an Bord tut es gut sich ein paar Schritte zu bewegen, zumal es hier auf Block Island auch nicht mehr so heiß ist.

Das nette Gartenlokal der drei Schwestern, was uns im letzten Jahr so gut gefallen hat, ist leider geschlossen. Aber wir finden trotzdem einen schönen Platz zum Abendessen. Im Kimberley’s sitzen wir unter Bäumen und geniessen das Essen mit leicht asiatischer Note. Vom benachbarten Pub tönt Live-Musik herüber, ein schöner Abend auf Block Island.

Eine unruhige Nacht
Zurück auf escape sind wir früh in den Kojen. Wie vorausgesagt kommt nachts Wind und das nicht zu knapp. Der Skipper steht auf und schaut nach dem Rechten. Es ist alles in Ordnung. Er kommt wieder ins Bett. Doch kurze Zeit später springt er auf und läuft an Deck. Der Abstand zu der großen Motoryacht, die neben uns liegt, hat sich deutlich verringert. Was ist da los? Doch Mareike sitzt schon an Deck und beruhigt ihn. Sie hat beobachtet wie die Motoryacht, deren Anker offenbar nicht gehalten hat, umgeankert hat. Es liegt also nicht an uns, wenn der Abstand sich verringert hat. Somit scheint alles in Ordnung zu sein. Doch dem Skipper ist die Sache nicht geheuer. Der Wind bläst mit Böen bis knapp 4o Knoten. In der ganzen Bucht fahren Boote auf und ab. Man sieht einige Schleppfahrzeuge in Aktion. Während Mareike und ich wieder ins Bett gehen macht Volker Ankerwache. Ich schlafe wieder ein. Plötzlich werde ich vom Geräusch des Motors geweckt. Das bedeutet nicht Gutes. Ich ziehe mich an und laufe an Deck. Der Skipper gibt Anweisung den Anker hochzuziehen. Wir sind dem Motorboot neben uns zu Nahe gekommen. Möglicherweise ist unser Anker geslippt? Während ich den Anker hochhole, berät sich der Skipper mit Mareike, um einen neuen Ankerplatz auszumachen. Wir probieren es ein Stück weiter vorne, um von dem Motorboot freizukommen. Als der Anker liegt, sind wir den vor uns liegenden Booten zu nahe, also Anker hoch, neuer Versuch. Doch auch dieses Mal passt es nicht. Es ist stockfinster. Überall fahren Boote, die man kaum sieht. Mittendrin in diesem Chaos versuchen wir einen neuen Ankerplatz zu finden. Mehrmals lassen wir den Anker hinunter und holen ihn dann doch wieder hoch. Ich frage mich wie lange die elektrische Ankerwinsch das noch mitmacht. Und da passiert es: Ich drücke auf die Fernbedienung aber die Ankerwinsch macht keinen Mucks mehr. Das hat uns noch gefehlt. Mareike löst den Skipper am Steuer ab. Der versucht die Ankerwirsch wieder in Gang zu bringen. Doch nur die Sicherung wieder ‚reindrehen reicht nicht. Er probiert Einiges aus, lässt den Anker manuell ab. Währenddessen ist Mareike damit beschäftigt das Boot auf Position zu halten und unseren Nachbarn nicht zu nahe zu kommen. Was für eine Nacht! Als es langsam hell wird hat der Skipper es irgendwie geschafft die Ankerwinsch wieder in Gang zu bringen. Wir machen noch ein letztes Ankermnöver. Jetzt ragt unser Heck zwar ein bisschen ins Fahrwasser aber das ist uns jetzt egal. Wir sind alle etwas gerädert. Mittlerweile hat auch der Wind nachgelassen. Ich melde mich freiwillig für die Ankerwache. Nach einigen Stunden Schlaf löst der Skipper mich ab.

Radtour
Von den Ereignissen der Nacht lassen wir uns den Tag nicht verderben. Nachdem wir alle wieder halbwegs fit sind und uns vergewissert haben, dass der Anker jetzt hält, fahren wir an Land. Bei einer Radtour wollen wir Mareike die Insel zeigen. Ein Highlight ist die Steilküste Mohegan Bluffs.

Schaffen wir es noch bis zum North Lighthouse zu fahren?

Ja, ich will auf jeden Fall dorthin, denn die Frau vom Fahrradverleih hat gesagt, dass hier die Seehunde im Wasser sind.

Tatsächlich, als wir dort ankommen sehen wir zwei Köpfe im Wasser. Bei näherem Hinsehen erkennt man, dass es sich um Seehunde handelt. Allerdings sind sie viel zu weit weg um Fotos zu machen.

Pünktlich um fünf Uhr bringen wir die Fahrräder zurück. Es gibt noch ein Eis und dann geht es zurück zu escape.


Wie geht s weiter?
Die Törnplanung steht an. Wir müssen überlegen, wo wir in den nächsten Tagen hin möchten. Das gestaltet sich gar nicht so einfach. Eigentlich wollten wir zu den Inseln Martha’s Vineyard und Nantucket. Doch ein Sturm nähert sich. Wenn der in einigen Tagen hier sein wird, brauchen wir einen gut geschützten Ankerplatz. Die beiden Skipper diskutieren die verschiedenen Optionen. Ich halte mich ‚raus.

Die endgültige Entscheidung fällt morgen früh, wenn noch mal ein neuer Wetterbericht da ist.

Relevante Links
Kimberly’s Restaurant, Block Island

4 Kommentare

  1. Klingt ja nach einer aufregenden Nacht. Genau darum lieben wir einsame Buchten mit gut eingefahrenem Grundeisen an reichlich Kette.
    Wir verstehen nur nicht, warum euer Anker „möglicherweise“ geslipped ist. Da bringt doch eine einfache Abstandsmessung zwischen im Plotter gesetzten Ankerpunkt und aktueller Position im Vergleich mit der gesteckten Kette eine schnelle und eindeutige Antwort…
    Na zum Glück ist ja alles gut gegangen.
    Liebe Grüße aus Santa Marta,
    Micha

    Gefällt 1 Person

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