Segeltörn mit Hindernissen: Von Block Island nach Newport

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Wir liegen in Block Island vor Anker und beratschlagen, wie es weitergehen soll. Ursprünglich wollten wir zum Cape Cod und den vorgelagerten Inseln. Doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Die Ausläufer von Hurricane Ida ziehen die US-Ostküste hinauf und werden wahrscheinlich bis Cape Cod kommen. Dann ist es nicht ratsam dort vor Anker zu liegen. Wir brauchen einen gut geschützten Platz. Die Entscheidung fällt auf Newport. Hier haben wir schon im letzten Jahr einen Sturm abgewettert.

Also Anker auf und los geht’s. In der Einfahrt zur großen Bucht vom Great Salt Pond herrscht reger Bootsverkehr.

Direkt hinter der Einfahrt setzen wir Segel. Seit einer Woche ist Mareike jetzt mit uns unterwegs. Leider konnten wir bis jetzt kaum segeln, weil immer Flaute war. Doch heute scheinen wir Glück zu haben. escape rauscht Richtung Newport.

Plötzlich haben wir ein Problem: Der Autopilot fällt aus. Das allein wäre nicht so schlimm, wir können ja von Hand steuern. Doch auf einmal funktioniert die komplette Elektronik nicht richtig. Mal fällt der Plotter aus, dann wird die Tiefe nicht angezeigt oder es fehlt die Anzeige von Windrichtung- und stärke. Das System spielt komplett verrückt.

Während der Skipper den Fehler sucht, arbeite ich mit Hilfe von Mareike an meinen Fähigkeiten als Steuerfrau. Mareike bringt von ihren vielen Törns auch mit wenig erfahrenen Seglern die nötige Ruhe und Geduld mit, die der Skipper nicht hat. Sie erklärt mir, wie ich so hart am Wind segele wie möglich, um keine Höhe zu verschenken. Dank Mareikes Erläuterung erschliesst sich mir auch endlich die tiefere Bedeutung der Windfähnchen (Kleine Fäden, die an den Segeln angebracht sind um festzustellen ob das Segel optimal angeströmt wird.) . Mit der Zeit bekomme ich ein besseres Gefühl, es stört mich auch nicht mehr so sehr, dass die Instrumente dauernd ausfallen, es klappt auch so.

Der Skipper sucht derweil nach der Ursache des Systemausfalls, aber leider erfolglos. Mittlerweile ist nicht nur die Elektronik ausgefallen, sondern auch die Hydraulik, das heisst wir können das Großsegel nicht normal einrollen. Auch die Garage für das Beiboot ist ohne Hydraulik nur mit viel Aufwand zu öffnen. Das ist jetzt langsam ein bisschen viel auf einmal. Ich bin heilfroh, dass Mareike mit an Bord ist, um bei den Manövern zu helfen. 

Der Wind wird immer weniger. Zwischenzeitlich sind wir nur noch mit drei Knoten unterwegs, weil wir auch noch eine starke Strömung gegen uns haben. Doch den Skipper stört das ausnahmsweise nicht,  da er damit beschäftigt ist die Fehler in der Technik zu finden.

Durch diese Probleme werden unsere Pläne über dem Haufen geworfen. Normalerweise hätten wir in der Bucht von Newport geankert, wie auch im letzten Jahr. In der aktuellen Situation benötigen wir einen Platz in einer Marina. Das ist jedoch nicht so einfach an einem Wochenende in der Hochsaison in Newport. Ich telefoniere verschiedene Marinas ab, aber ich bekomme überall Absagen. Kurz bevor wir den Hafen von Newport erreichen klappt es dann: Das Newport Yachting Center hat einen Längsseitssteg für uns frei.

Trotz intensiver Suche kann der Skipper weder Hydraulik noch Elektronik mit Bordmitteln reparieren. Während Mareike steuert, rollt der Skipper das Großegesegel ein, indem er eine Hilfsleine über die Winsch führt. Glücklicherweise klappt das besser als erwartet.

Bei der Einfahrt nach Newport sehen wir die Klassik-Yachten, die hier für Wochenendausflüge und Sightseeing-Törns genutzt werden.

Unsere Marina liegt im Herzen von Newport. Es ist viel los und wir sind mittendrin im Geschehen. Nach einem vergeblichen Versuch in einem der voll besetzten Restaurants am Wasser einen Tisch zu bekommen gehen wir in „unsere“ Brasserie vom Vorjahr. Bei einem leckern Steak bessert sich langsam die Laune des Skippers. Morgen früh muss ich als erstes versuchen einen Servicetechniker von Raymarine zu finden, der schnellstmöglich an Bord kommt, um sich unserer Probleme anzunehmen. Hoffentlich klappt das.

Hier noch einmal unsere Strecke von Block Island nach Newport:

Relevante Links:

Segeln mit Mareike Guhr
Für mich waren Mareikes Profi-Tipps sehr hilfreich. Ihre Website findet Ihr unter magsail.de
Falls Ihr auch einmal mit Mareike segeln möchtet findet Ihr hier Ihren aktuellen Törnplan für den Winter in den Bahamas.
Was ich vorher nicht wußte: Auch ohne Segelerfahrung ist man bei Mareike an Bord willkommen. Vielleicht für den ein oder anderen mal eine Gelegenheit ‚reinzuschnuppern?

Newport Yachting Center

Stoneacre Brasserie

4 Kommentare

  1. Nur gut, dass euch das in der Nähe einer Marina mit vernünftiger Infrastruktur passiert. Irgendwo in Patagonien oder mitten im Pazifik sähe das schon übler aus. Ist aber wohl ein nicht unübliches Problem bei den heutigen, elektronisch überausgerüsteten Yachten… und wenn dann noch Hydraulik hinzukommt… viele Systeme = viele Fehlerquellen. Viel Erfolg bei der Reparatur. 🤞

    Wir haben ja auch einiges an Bord, aber bei weitem nicht so viel. Und dieser Umstand hat uns dann wohl auch eine sichere Weiterfahrt nach dem Blitzschlag ermöglicht. Wir haben mit anderen Skippern gesprochen, bei denen ging nach so einem Ereignis weder Licht noch Motorstart… na dann drehst du erstmal am Rad…

    Liebe Grüße von einer fast schon wiederhergestellten Samai in Kolumbien,
    Micha

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  2. Hoffentlich hat der Techniker die Elektronik wieder in Gang bekommen. Es ist schon echt problematisch, wenn so etwas passiert. Gut, dass Ihr doch noch heil angekommen seid. Newport wuerde ich um mein Leben gerne einmal ansehen.
    Liebe Gruesse von der texanischen Golfkueste,
    Pit

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  3. Ach der Hurrikan Ida!! Der hat uns auch einen Strich durch unsere Urlaubspläne auf den Magdalen Islands gemacht, denn es hat teilweise geschüttet wie aus Eimern und der Wind war sehr stark. Aber Gott sei Dank waren wir auf dem festen Land!
    Viele Grüsse
    Christa

    Gefällt 1 Person

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