Von Nantucket nach Boston

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Tag 1: Von Nantucket nach Provincetown:

Um 5.00h klingelt der Wecker; es ist noch dunkel draußen. Der Skipper möchte mit dem ersten Tageslicht los. Ich fühle mich noch extrem unfit. Könnte auch an dem leckern Rotwein🍷 von gestern Abend liegen😉. Aber der Skipper kennt keine Gnade. Schnell gibt es einen Joghurt mit Obst, dann die Regenkombi angezogen und ‚raus. Heute liegen 63 Meilen vor uns,

Es geht gut los. Der Wind kommt aus der richtigen Richtung, wir setzen Segel, escape läuft knapp unter 10 Knoten, der Skipper ist zufrieden. Auf dem Plotter schaue ich mir die Untiefen an, von denen wir im Schiffswracks-und Seenotrettungsmuseum gehört haben. Auch heute noch ist die Navigation anspruchsvoll. Der Wind wird weniger. Wir nehmen den Motor dazu um zwischen den Flachs jederzeit problemlos manövrieren zu können.

15 Seemeilen vor Provincetown zieht Nebel auf. Das kennen wir von vergangenen Jahr. Da sind wir die Strecke in umgekehrter Richtung gefahren und hatten fast die ganze Zeit dichten Nebel. Der Radar wird eingestellt , alle Lichter eingeschaltet und das Nebelhorn bereitgelegt. Doch es war nur eine kleine Nebelbank, wenig später haben wir wieder genug Sicht..

Auf einmal ruft der Skipper: „Guck mal da drüben, da ist ‚was im Wasser.“ Wir sehen die große, charakteristische Rückenflosse eines Hais. Das könnte ein weißer Hai sein, habe ich doch vor ein par Tage noch gelesen, das es auf Cape Cod mittlerweile einen regelrechten Haitourismus gibt.

Bei der Ansteuerung von Provincetown können wir wieder gut sehen. Man erkennt die langen Sandstrände, mit den parkenden Autos. In Amerika fährt man mit dem Auto nicht an den Strand sondern auf den Strand, zumindest wenn man vorher die entsprechende Erlaubnis beantragt hat.

Der Dockmaster kommt uns mit dem Beiboot entgegen und zeigt uns unsere Boje. Genau wie im vorigen Jahr werden wir herzlich begrüßt.

Zum Abendessen gehen wir in „The Club“, der gleichzeitig Strandbar, Restaurant und Nachtclub ist. Wenn wir schon in Provincetown sind, müssen wir auch ein bisschen Party machen. Wir sitzen auf der Terrasse, dort ist es allerdings recht frisch. Als wir mit dem Essen fertig sind sehen wir, dass einige Musiker ihre Instrumente für die Live Performance aufbauen. Immer mehr Instrumente werden herein gebracht. Es gibt einen ausführlichen Soundcheck. Der Kellner fragt uns, was wir noch trinken möchten. Doch sogar dem Skipper ist es für ein Bier zu kühl hier draußen. Stattdessen nimmt er einen Irish Coffe. Ich bekomme eine Sonderbestellung: Heisse Milch mit Baileys. Was beim Skifahren schmeckt, wärmt auch auf einer Terrasse im Neuengland im Herbst.

Dann geht das Konzert endlich los. Das Warten hat sich gelohnt. Die Musik ist richtig gut, Zoe Lewis spielt jazzige Eigenkompositionen und Coverversionen bekannter Songs. Die Stimmung ist super. Was für ein toller Abend, schliesslich ist Live-Musik in Zeiten der Pandemie etwas ganz Besonderes.

Zwischendrin gibt Zoe noch kleine artistische Einlagen.

Im Internet lese ich, dass sie bereits mehrere Alben veröffentlicht hat. Was für ein Glück, dass wir das Konzert an unserem einzigen Abend in Provincetown miterleben dürfen.


Tag 2: Von Provincetown nach Boston
Am nächsten klingelt der Wecker um 7.00h. Wir wollen früh los, denn in der erste Tageshälfte soll laut Vorhersage der Wind besser sein. Doch als wir aus dem Fenster schauen, gibt es keinen Wind, dafür aber dichten Nebel. Also schnell den Wecker eine Stunde weiter stellen und noch eine Runde schlafen. Eine Stunde später hat der Nebel sich etwas gelichtet. Um 9.00h legen wir von der Boje ab. Unter Motor fahren wir um den äussersten Zipfel von Cape Cod herum und nehmen dann Kurs auf Boston.

Es sind nur 10 Knoten Wind, also setzen wir das Gross und das Leichtwindsegel, den Code Zero. escape macht 7,5 Knoten Fahrt. Später frischt der Wind etwas auf und dreht gleichzeitig die Richtung, so dass er jetzt aus einem spitzeren Winkel kommt. Das passt nicht mehr für den Code Zero. Wir wechseln auf die Genua. Jetzt laufen wir knapp 9 Knoten. Der Skipper ist happy. Doch leider ist auch der Nebel wieder dichter geworden. Hoffentlich hält das nicht lange an. Hier auf der Strecke nach Boston ist dichter Schiffsverkehr. Es sind auch viele Boote unterwegs, die kein AIS haben. Im Nebel kann man sie nur anhand des Radarbildes erkennen. Wir haben Glück. Es bleibt zwar den ganzen Tag leicht nebelig, aber nach kurzer Zeit haben wir wieder genug Sicht um uns nicht unsicher zu fühlen.

Dafür müssen wir die ganze Zeit auf Fischerbojen aufpassen. Gegen Mittag schläft der Wind ein. Schade, aber das sind wir in dieser Saison ja schon gewöhnt. Wenigstens sind wir die Hälfte der Strecke gesegelt.

Die Einfahrt in die große Bucht von Boston ist spannend. Es gibt mehrere kleine Inseln, die sogenannten Harbor Islands. Es ist interessant zu beobachten wie ihre Umrisse langsam aus dem Dunst auftauchen.

Dann nähern wir uns der Skyline von Boston.

Auf einmal höre ich laute Musik. Hinter uns kreuzt ein Party-Schiff, auf dem die Leute dichtgedrängt feiern.

Während wir nach Boston hinein fahren, können wir Flugzeuge beim Landeanflug beobachten.

Unsere Marina hat uns schon vorher die Liegeplatznummer geschickt. Wir wissen also wo wir anlegen und wie wir das Boot vorbereiten müssen, Ich funke den Hafen an ( Kanal 71) , die Antwort kommt postwendend. Man erwartet uns. Wir werden freundlichst empfangen. Als besonderen Luxus bekomme ich ein Treppchen um von Bord zu gehen.

Es ist geschafft, wir haben den nördlichsten Punkt unserer diesjährigen Reise erreicht. escape liegt in Boston, im Herzen Neuenglands.

Nachdem wir das Boot aufklariert haben, gehen wir schnell von Bord. Mittlerweile haben wir strahlend blauen Himmel. Wir wollen die Gelegenheit nutzen, um noch irgendwo draußen etwas zu essen. Im Restaurant „Pier 6“, was zu unserer Marina gehört bekommen wir einen wunderschönen Platz mit Blick auf Downtown Boston. 🤩

Jetzt freuen wir uns darauf die Stadt zu erkunden.

Relevante Links

The Club, Provincetown

Zoë Lewis

In Boston liegen wir in der Charlestown Marina

5 Kommentare

    1. Hallo Manni, vielen Dank. Mit dem Hai hast Du natürlich recht. Aber er war ein ganzes Stück vom Boot weg und man sah nur die Flosse, das Ganze hat weniger als eine Minute gedauert, da war er sich schon wieder außer Sicht. Da ich die Kamera unter Deck hatte gibt es leider kein Foto davon.

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      1. kann ich natürlich nicht beurteilen aber danke für die Information. Ich verstehe das schon das der Hai nicht wartet bis er fotografiert werden kann.
        War nur so eine Idee, gesehen hätte ich ihn schon gerne. Weiterhin gute Reise !!

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