Auftakt für die Passage in die Karibik: escape segelt von Annapolis nach Hampton

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In Annapolis ist unser Freund und Mitsegler Rudolf an Bord gekommen, um mit dem Skipper in die Karibik zu segeln. In den nächsten beiden Blogbeiträgen schildert er den Törn.

Gastbeitrag von Rudolf:

Wir, meine Frau Maud und ich, kennen Annemarie und Volker schon einige Jahre. 2019 haben wir die beiden auf Gran Canaria besucht und Volker zur Atlantiküberquerung mit der ARC im November verabschiedet. Ein großartiges Ereignis, als fast 280 Schiffe den Hafen von Las Palmas verließen. Wie alle wissen, war die Atlantikpassage für die Escape erfolgreich.

Doch dann kam COVID-19 und veränderte alles. Zwei Jahre lang war keine Planung möglich, wir wollten die beiden besuchen und mit Ihnen an der Ostküste der USA segeln, aber nichts ging mehr. Im November 2020 segelte dann Volker mit Annemarie zurück in die Karibik, weil es im Norden doch zu kalt wurde. Dieser Törn war für Annemarie nicht sehr animierend, weil die Umstände doch sehr widrig waren.

Da ich schon immer von einer Atlantikquerung oder längeren Atlantik-Passage geträumt hatte, bot ich an, Volker zu unterstützen. Ursprünglich war ein Törn von den „Bermudas“ zusammen mit Annemarie und Maud geplant, aber Herr Biden tat sich ja schwer die Grenzen für uns Europäer zu öffnen, so dass die Einreisemöglichkeiten immer weiter nach hinten verschoben wurden. Der Törn sollte dann direkt von Hampton aus in die Karibik führen. Das wiederum war nun für die Frauen zu aufregend und sie zogen ihr Angebot, uns mental zu unterstützen, zurück.

Ich war nicht sehr traurig darüber und ich glaube Volker auch nicht. Es konnte ein richtiger „Männertörn“ starten 😊.

Am 20.11.2021 ist es endlich so weit, die Tasche gepackt, geboostert und PCR-Test negativ, geht es los von Köln über München nach Washington Dulles. Von dort mit „Uber“ nach Annapolis, wo mich Volker dann um 21:30 LT am Tor des South Annapolis Yacht Centre in Empfang nimmt. Nach einer herzlichen Begrüßung von Annmarie und Volker und einem kurzen „briefing“ falle ich müde in die Koje, schließlich wollen wir am nächsten Morgen mit dem Hochwasser aus dem Hafen und die Brücke um 06:00 Uhr beim ersten Öffnen passieren.

Um 05:00 geht der Wecker, rein in die Segelsachen. Das Boot ist perfekt vorbereitet. Wir müssen nur noch den Landstrom entfernen und können überpünktlich starten.

Escape hat sich in den vergangenen Wochen durch die Tide ziemlich im Hafenschlamm festgelegt und Volker muss zu Beginn mehr Gas geben, um Escape zu befreien. Es klappt alles gut und Annemarie funkt den Brückenmeister an, der uns, sehr nett schon vor der offiziellen ersten Schleusung, die Brücke öffnet. So kann der erste Teil des Törns beginnen.

Es ist am Morgen noch sehr frisch, nur wenige Grad über null, und die leichte Brise kommt leider wie angekündigt direkt von vorne, so dass Motoren angesagt ist. Wir haben ein Ziel von 80 nm bis zum Ankerplatz am Abend vor uns. Also heißt es die Maschine laufen lassen. Es wird ein schöner kalter sonniger Tag und ich kann die vielfältigen Eindrücke der Landschaft in mich aufnehmen. Ein wunderschönes Revier, welches man sicher mehrere Jahre befahren kann, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Volker nutzt den Tag, um mich sehr ausführlich auf Escape vorzubereiten. Escape ist aus meiner Sicht perfekt für „Einhand“ vorbereitet.

Mit dem letzten Büchsenlicht kommen wir an unserem Ankerplatz im Great Wicomico River in der Bucht bei Sandy Point an und der Anker fällt, hält allerdings erst beim 2. Versuch sicher.

Volker zaubert ein leckeres Abendessen und wir lehnen uns gemütlich im warmen Salon bei guten Gesprächen zurück. Auch am nächsten Morgen wollen wir früh starten, um vor dem Wetterumschwung in Hampton zu sein. Dort ist schon ein Liegeplatz avisiert. 

Am nächsten Morgen geht es wieder früh los und wir frühstücken unterwegs. Man merkt, dass man schon weiter südlich ist, denn die Temperaturen steigen doch deutlich über 10°C. Der Wind dreht langsam auf NW mit 8-12kn, also ein guter Raumschotkurs. Endlich können die Segel hoch und ich lerne Escape unter leichten Windbedingungen kennen, schnell klettert das Speedometer auf 8 kn. Es macht schon großen Spaß, das Schiff durch das Wasser gleiten zu sehen.

Wir machen gut Strecke und können Hampton so rechtzeitig erreichen, dass die Tankstelle noch offen ist und Escape für den Atlantiktörn gefüllt wird. Alles ist perfekt gelaufen, wir nehmen den uns zugewiesenen Kopfliegeplatz ein, vertäuen Escape noch vor dem Dunkelwerden und können nun den Wetterumschwung mit stürmischen Böen in aller Ruhe abwarten.

Annemarie hat noch einige Vorbereitungen für Ihren Flug nach Sint Maarten zu treffen und bereitet auch unser Ausklarieren mit allen notwendigen Papieren vor (das sind zum größten Teil meine Dokumente für den Immigration-Officer, da ich ja die USA auf dem Seeweg wieder verlassen werde). Ein Termin ist für den Dienstagvormittag in Norfolk vereinbart

In der Nacht kommt der Wind. Es bläst stürmisch aus NW. Der nächste Morgen ist zwar klar und sonnig, aber empfindlich kalt und stürmisch. 

Warm angezogen machen Annemarie und ich uns am Morgen mit dem Taxi über die Bay auf den Weg nach Norfolk, während Volker letzte Vorbereitungen am Schiff erledigt. Mittags zurück und wieder eine Erfahrung reicher mit den immer wieder „liebevollen Immigration-Officern“ gehen wir im Hafenrestaurant lecker essen. 

Es ist gut, dass wir den Tag im Hafen sind, denn es pfeift doch sehr ordentlich bei kalten Temperaturen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es auf dem Atlantik werden wird.

Den Nachmittag nutzen wir für letzte Checks über den Iridium-Account und unsere weitere Verbindung zur Außenwelt, während der Passage. Weiterhin müssen die Einreiseformalitäten für mich beim Einklarieren auf St. Maarten vorbereitetet werden. Jedes kleine Land hat spezielle Formulare, die penibel ausgefüllt werden müssen. Leider bekomme ich kein offizielles „Go“ von St. Maarten für meine Einreise ☹, was letztendlich nach einer Mail mit der Behörde geklärt werden kann (die Mailadresse war nicht korrekt) 😊. 

Annemarie muss noch die Koffer packen für den morgigen frühen Start zum Flieger nach St. Maarten. Volker und ich schauen uns das finale Wetter-Routing von Wetterwelt an, welches sehr ausführlich ist. Wegen der Wellenentwicklung und des Golfstromes wird empfohlen direkt einen Punkt auf 34°12´ N und 73° W anzulegen, ca. 230 sm vom Ausgang der Chesapeake Bay entfernt. Ich bin gespannt, ob es gehen wird.Da sich für den morgigen Tag Großes ankündigt, gehen alle früh schlafen. 

Weihnachtsdeko in Hampton, Virginia

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