Sehnsuchtsziel mit Hindernissen – wie segelt man in Zeiten von COVID nach Anguilla

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Ein Jugendtraum
Eine abgelegene Insel mit türkisfarbenem Wasser und makellosen weißen Stränden…“dort wo der Sommer nie zu Ende geht“. Seit ich vor vielen Jahren den ersten Raffaello Werbespot gesehen habe, war meine Sehnsucht geweckt, nicht für Raffaello sondern für Anguilla😉. Als wir dann angefangen haben unsere Segelreise in die Karibik zu planen, stand für mich fest: Wir segeln nach Anguilla.

Doch dann kam COVID. Aktuell sind wir in der dritten Saison in der Karibik, aber Anguilla haben wir noch nicht besuchen können. Immerhin habe ich es jetzt schon gesehen. Von der Nordwestküste Saint Martins sieht man hinüber auf die Insel meiner Träume. Doch jeder, den ich zu einem möglichen Törn nach Anguilla befrage winkt ab: „Anguilla? Viel zu kompliziert“.


Die Herausforderung
Man benötigt einen Agenten, was bei Privatyachten unüblich ist. Dann muss jede Menge Papierkram ausgefüllt werden. Es werden mehrere COVID Tests verlangt. Auch die Ankermöglichkeiten sind beschränkt. Die ganze Südküste ist gesperrt. Ich bin hin- und hergerissen. Macht es Sinn nach Anguilla zu segeln, wo es doch andere Inseln gibt, die es einem deutlich einfacher machen? Aber jetzt sind wir schon so nah dran…🤔 . Der Skipper überlässt mir die Wahl. Er ist für das Segeln zuständig, ich für die Planung.

Da lese ich in der Sint Maarten Facebook Gruppe, dass ein amerikanischer Segler gerade auf Anguilla war. Er ist begeistert von Anguilla und weist darauf hin, dass es trotz der Beschränkungen noch genügend sehenswerte Ankerbuchten gibt. Mit Hilfe der Agentin haben sie die Formalitäten gemeistert. Es ist also machbar. Gehen wir es an.

Die Umsetzung
Als Erstes benötigen wir einen Agenten. Ich rufe die Agentin an, die in dem Facebook Post genannt wurde. Doch die gibt mir einen Korb. Sie sagt, sie habe mit den Megayachten so viel zu tun, da habe sie für uns keine Zeit. 😯. Klingt nicht ermutigend, doch jetzt nicht aufgeben. Ich kontaktiere BWA, die in unserer Marina ein Büro haben. Sofort kommt eine freundliche Email zurück. Auf einmal hört sich alles gar nicht mehr so kompliziert an. Wichtig ist das Timing: Der COVID-Test muß zwischen 5 und 2 Tagen vor Einreise gemacht werden. Also terminiere ich den als erstes und teile der Agentin meinen Zeitplan mit. Sie schickt mir alle nötigen Informationen, über den Cruising Permit und die Buchten wo Ankern erlaubt ist.

Nervös warten wir auf das Ergebnis des COVID Tests. Wenn der jetzt positiv wäre, ist der ganze Zeitplan hinfällig. Wir sind zwar dreifach geimpft aber bei Omikron schützt auch das nicht zwingend vor einer Infektion. Während wir auf das Ergebnis warten, lege ich schon einmal eine Account im offiziellen Einreiseportal von Anguilla an.

Wir haben Glück, der Test ist negativ. Ich lade alles in das Portal hoch und bekomme prompt eine Eingangsbestätigung. Diese schicke ich unserer Agentin. So kann sie bei Bedarf den Stand unseres Antrags erfragen.

Dann ist Warten angesagt. In Sint Maarten und Saba kommt die Autorisierung innerhalb von 24 Stunden. In Anguilla ist es etwas komplizierter, da das Ganze mehrere Schritte beinhaltet.

Wir nutzen die Zeit um escape wieder segelfertig zu machen. Das große Sonensegel wird verstaut. Sprayhood und Bimini werden wieder aufgebaut. Irgendwann bekomme ich Bescheid, dass der erste Schritt akzeptiert wurde. Aber es geht nicht weiter. Nervös schreibe ich an die Agentin. Sie beruhigt mich. Es dauert und manchmal schickt das Portal auch Zwischenberichte doppelt. Liegt es daran, dass Wochenende ist? Nein auch in Anguilla wird das Portal 7 Tage die Woche bearbeitet. Endlich kommt am Abend vor unserer geplanten Abfahrt die Autorisierung. Juhu🤩

Der Segeltörn
Am 17. Januar ist es soweit. Ich bin schon morgens früh auf. Das Ausklarieren geht erfreulich schnell, noch fix das Dokument einscannen und an die Agentin schicken. Wir legen pünktlich ab. Um 10.30h fährt escape durch die Simpson Bay Brücke.

Wir passieren die Ankerlieger, auch einige große Motoryachten liegen heute hier.

Nachdem wir ausreichend freien Seeraum haben setzen wir Segel. Der Wind kommt zunächst sehr achterlich, dann als wir die westliche Spitze von Sint Maarten gerundet haben, können wir etwas anluven.

Als wir aus der Landabdeckung kommen und den Anguilla Kanal queren, nimmt escape ordentlich Fahrt auf, wir bekommen mehr Lage. Der Skipper ist in seinem Element; ich verziehe mich auf die Lee-Bank und mache ein kleines Nickerchen. Der Skipper nutzt die Gelegenheit, um alles aus escape herauszuholen. Er schafft es tatsächlich den parallel fahrenden Frachter zu überholen.

Als ich aufwache sind wir auch schon kurz vor Road Bay, dem einzig möglichen Einklarierungshafen auf Anguilla. Um 15.30h müssen wir dort am Dinghy Dock sein, um unseren Agenten zu treffen. Wir sind deutlich früher, so kann sich der Skipper in aller Ruhe einen Ankerplatz suchen.

Die Ankunft
Road Bay ist der Haupthafen von Anguilla. Man sieht ein kleines Frachtschiff, was gerade beladen wird. Es gibt kleinere Fischerboote und Ausflugsboote. Ausser uns ist nur noch ein anderer Segler da. Daneben lockt feiner Sandstrand.

Ich bin gespannt was uns erwartet. Wir müssen einen COVID Test machen, erst wenn dieser negativ ist dürfen wir auf die Insel. Wenn das nun schief geht? Am Dinghy Dock begrüßt uns Trevaun von BWA. Er nimmt unsere Pässe und erledigt sämtliche Einklarierungsformalitäten während wir entspannt am Strand warten. Der COVID Test geht schnell, ebenso schnell kommt das Ergebnis. Wir sind negativ😅. Jetzt können wir Anguilla erkunden. Wow🤩, das ging schnell.

Bleibt noch der Cruising Permit. Vorher habe ich mir Gedanken gemacht, ab welchem Tag und für wieviel Tage wir den Cruising Permit wohl benötigen. Doch das sieht man hier ganz entspannt. Wir könne einfach dem Agenten kurz Bescheid sagen, dann wird der Cruising Permit so beantragt wie wir ihn brauchen.


Das Ziel
Wir schauen uns Road Bay und den zugehörigen Ort Sandy Ground an.

Am Strand liegen einige kleine Restaurants und Bars. Volker steuert zielsicher die Elvis‘ Beach Bar an. Diese Bar hat in der Karibik Kultstatus. Elvis hat die Bar vor 15 Jahren gegründet, indem er von einem am Strand liegenden Holzboot aus Getränke verkauft hat. Heute ist es ein Restaurant, mit Beach Club, Bar und eigener Bühne. Elvis steht selber hinter der Theke. Zur Feier des Tages trinke auch ich einmal ein Bier🍻. Jetzt realisiere ich, dass wir es geschafft haben. Wir sind in Anguilla, wovon ich früher nur träumen konnte.

Zur blauen Stunde sind wir zurück an Bord. Der Vollmond schaut hinter den Wolken hervor.

Am nächsten Tag bleiben wir in Road Bay. Wir spazieren am Strand entlang und gehen abends ins Sandbar Restaurant, wo es schmackhafte Tapas gibt. Was mich besonders freut: Salat und Gemüse kommen aus lokalem Anbau. Wir sitzen am Strand mit Blick auf das Wasser, während die Sonne untergeht. Ganz hinten schaukelt escape. Schon jetzt wissen wir daß Anguilla die Mühe wert war.

Und hier der alte Werbespot für Raffaello. Was genau hat mich damals so beeindruckt? Ich weiß es nicht mehr. Heute wirkt das Ganze etwas weit hergeholt. Bis jetzt haben wir hier in der Karibik noch nie Menschen gesehen, die so gekleidet waren. Ist ja auch etwas unpraktisch😀😀😀.

Falls noch jemand in Anguilla seinen Segeltraum verwirklichen möchte, hier der Überblick über die Formalitäten im Detail.

Praxistipp: Anforderungen für die Einreise in Anguilla, Stand 17.01.2022

1.) Man benötigt einen lokalen Yacht Agenten, die Liste der Agenten findet Ihr auf der offiziellen Webseite von Visit Anguilla
2.) Vollständiger COVID Impfschutz muss nachgewiesen werden
3.) Ein negativer PCR Test (2-5 Tage vor Anreise) oder Antigen Test (36-48-Stunden vor Einreise)
4.) Eine Krankenversicherung, die eine potentielle COVID Erkrankung mit abdeckt. Ich hatte mir für diesen Zweck extra eine Bescheinigung von unserer Versicherung kommen lassen, aber letztlich muss man im Portal nur das Kreuzchen machen, dass man die Versicherung hat, ein Nachweis wird nicht gefordert.
5.) Alle Infos müssen im Gesundheitsportal hochgeladen werden. Einreise ist nur erlaubt, wenn man per Email die Autorisierung erhalten hat. In unserem Fall hat das zwei Tage gedauert. Bei Bedarf kann der Agent den Stand der Dinge erfragen.
5.) Pro Person ist eine Gebühr von 50US$ fällig. Falls die Einreise verweigert wird, oder man am Ende doch nicht fährt, wird diese Gebühr nicht erstattet.
6.) Bei Ankunft wird ein weiterer COVID Test durchgeführt. Erst wenn dieser negativ ist, darf man sich auf der Insel frei bewegen
7.) Wenn man außerhalb von Road Bay ankern möchte, benötigt man einen Cruising permit der von der Tonnage (nicht Länge) des Schiffes abhängig ist und tage-oder wochenweise ausgestellt werden kann. Um die Details kümmert sich der Agent

Zusätzlich braucht man natürlich die üblichen Dokumente wie Pässe, ggf. Visum, Bootsregistrierung und die letzte Clearance. Dies wird alles an den Agenten geschickt.

Bitte unbedingt vor Einreise die aktuellen Einreisebestimmungen noch einmal hier nachlesen bzw. mit dem Agenten checken, da sich jederzeit Änderungen ergeben können.

Aktuelle Infos zu den Einreiseformalitäten gibt es auch immer auf noonsite.com

Das hört sich alles sehr umständlich an, wenn man es zum ersten Mal liest. In der Praxis ist es gar nicht so schlimm. Bei Bedarf hilft der Agent.

Relevante Links

Unsere Agenten waren von BWA Yachting. Vielen Dank and Sue und Trevaun, die einen großartigen Job gemacht haben.

Tripadvisor über Elvis‘ Beach Bar
Tripadvisor über das Sand Bar Restaurant in Sandy Ground, Anguilla

7 Kommentare

  1. Liebe Segelfreunde der Escape. Ich folge euch mit großen Interesse vom ersten Tag an.
    Als sie angefangen haben ihre große Reise über den Teich zu machen habe ich mir gerade eine Segelyacht auf Mallorca gekauft. Diese habe ich dann auch sofort, für mich genutzt und bin mit ihr seit fast drei Jahren unterwegs ,bin vor sechs Wochen auf Barbados gelandet. Jetzt gerade bin ich auf Guadeloupe. Ich habe großes Interesse sie persönlich kennen zu lernen, in einem Erfahrungsaustausch von ihrer bisherigen Reise im Detail noch mehr zu erfahren. Ich hab geplant in diesem Jahr auch noch New York hoch zu gehen. Ich habe gerade den Bericht vom 17. Januar gelesen, und ich würde interessieren, an welchem Ort sie sich heute befinden? Ich weiß ich bin ein wenig neugierig, soll aber nicht aufdringlich sein. Ich würde mich sehr freuen von Ihnen zu hören. Mit freundlichen GrüßenCarl Beermann

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo, vielen Dank für die Nachricht, wir freuen uns immer über Feedback. Auch wir haben auf Mallorca mit dem Segeln angefangen, von daher gibt es vielleicht die ein oder andere Parallele. Gerade sind wir in Antigua und werden wohl auch bis Ende des Monats auf der Insel bleiben. In den nächsten Tagen sind wir noch im Süden der Insel, Anfang nächster Woche kommt escape für die jährliche Wellnesskur aus dem Wasser und gegen Ende des Monats sind wir wieder in Falmouth. Es klappt also bestimmt mit einem Treffen. Beste Grüße von der escape Annemarie und Karl Volker Frank

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