Hart am Wind: Von Jolly Harbour nach Falmouth

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Nach vier Nächten vor Anker in Jolly Harbour wird der Skipper unruhig. Er möchte weiter, denn er hat einen wichtigen Termin mit North Sails😉. Nach Falmouth sind es 18 Seemeilen, da können wir uns morgens Zeit lassen. Ich mache noch ein kurzes Workout. Der Skipper geht schwimmen.

Um 10.15h gehen wir Anker auf. Die Lille Venn ist kurz vor uns aufgebrochen. Es geht gut los, 15 Knoten wahrer Wind aus 90 Grad, das ist pures Genuss-Segeln. Doch das geht nicht lange, denn wir müssen anluven um Kurs Richtung Süden zu gehen. Jetzt heißt es so hart am Wind zu segeln wie möglich. Der Neigungsmesser zeigt 33 Grad Lage. Das ist eindeutig zu viel für mich. Doch der Skipper hat Spaß.

Der Wind nimmt wird mehr. Wir wechseln von der großen Genua auf die kleinere Selbstwendefock. Dadurch wird es kurzzeitig für mich etwas angenehmer, doch der Wind nimmt weiter zu. Wir bekommen wieder mehr Lage, die See wird ruppiger.

Ganz schön unangenehme Wellen denke ich. „Geile Wellen“ juchzt der Skipper. Ich bin froh, dass es nur ein kurzer Törn ist und freue mich schon auf den Moment wenn in Falmouth der Anker fällt. Hoffentlich hält mein Magen solange durch. Da ruft der Skipper: „Es gibt doch nicht schöneres als so zu segeln!“ So unterschiedlich kann man einen Törn wahrnehmen. 😄

Als wir in Falmouth ankommen blockiert kurzzeitig unser Anker. Er läuft nicht mehr nach unten. Das hatten wir noch nie. Glücklicherweise passiert das erst als wir schon 40m Kette draußen haben und der Anker bereits eingefahren ist. Der Skipper kann es schnell beheben.

Zum ersten Mal seit langem nutze ich mal wieder mein Stand Up Board. Doch ich komme nicht wirklich voran. „Hart am Wind“ ist auch auf dem Stand Up Board nicht angenehm.

Abends gehen wir mit der Crew der Lille Venn ins italienische Restaurant „Abrakadabra“; ich finde die Pasta habe ich mir verdient.

Am nächsten Tag ist es endlich soweit. Schon seit einem Dreivierteljahr fiebert der Skipper diesem Tag entgegen. Heute bekommt er sein neues Segel: den Helix Gennaker. Er holt das Team von North Sails am Dinghy Dock ab. Sie kommen mit einem riesigen Segelsack zurück, der an Bord gewinscht werden muß.

Oh Schreck!🤦‍♀️ Das gute Stück landet im Wasser. Der Schäkel, der den Topping-Lift (Seil, an dem der Segelsack hängt) mit dem Segelsack verbindet ist aufgegangen. Glücklicherweise ist im Segelsack noch einiges an Luft drin, so dass er nicht sofort untergeht. Durch beherztes Eingreifen der North Sails Crew kann Schlimmeres verhindert werden. Beim zweiten Versuch kommt der Seesack sicher an Deck.

Die North Sails Crew schlägt gemeinsam mit dem Skipper das Segel an. Dann bekomme ich das Kommando „Anker auf“. Mal sehen wie es sich segelt mit dem großen Tuch. Die Idee ist, dass sich der Helix Gennaker auch mit kleiner Crew sicher handhaben lässt, weil er hydraulisch ein- und ausgerollt wird. Wir fahren aus der Bucht, bringen das Boot in einen Winkel von 120 Grad zum Wind und rollen den Gennaker aus. Es klappt poblemlos. Schnell haben wir 9 Knoten Geschwindigkeit bei nur 11 Knoten Wind.

Der Skipper ist zufrieden. So hat er sich das vorgestellt. Wir probieren das Ganze noch einmal auf der anderen Seite. Dann geht es zurück an den Ankerplatz. Den ersten Test hat der Helix Gennaker bestanden. Ich bin sehr gespannt wie es wird, wenn wir ihn länger segeln.

Restaurant Tipp
In English Harbour und dem benachbarten Falmouth gibt es mehrere italienische Restaurants. Uns gefällt das Abrakadabra mit Abstand am Besten. Inhaber Paolo ist jeden Abend selbst dort und präsentiert die Spezialitäten des Tages in typisch italienischem Enthusiasmus. Die hausgemachten Kürbisravioli mit Amarettini-Soße sind ein Gedicht. Fisch und Meeresfrüchte sind ebenfalls sehr zu empfehlen. Aber auch Fleischliebhaber kommen hier auf ihre Kosten: Das Spanferkel („suckling pig“) ist eine Spezialität des Hauses.

Relevante Links
North Sails über den Helix Furling Gennaker

8 Kommentare

  1. „Geile Wellen“, ach ja… das erinnert mich an unsere Wale-Watching Tour in Sri Lanka, wo sich die gesamte Truppe der Reihe nach übergeben hat und nur mein Stefan seinen Spaß hatte… 😉

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