Vom Norden in den Süden Guadeloupes

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Nach einem entspannten Tag in Deshaies geht es weiter. Unser Ziel sind die Îsles des Saintes, eine südlich vorgelagerte Inselgruppe, die zu Guadeloupe gehört. Mal sehen was der Wind heute zu bieten hat…

Bei der Ausfahrt aus der Bucht und dem Setzen der Segel müssen wir den Fischerbojen ausweichen. Dann segeln wir gemütlich an der Küste entlang Richtung Süden.

Als ich das AIS nach anderen Schiffen absuche sehe ich „Guppy“. Ist das vielleicht die Ketch von Laura Decker, die 20212 als jüngste Seglerin aller Zeiten die Welt umrundet hat? Ja, kurze Zeit später kommt Guppy uns entgegen, unschwer zu erkennen am roten Rumpf. Mit ihrer World Sailing Foundation ermöglicht Laura Jugendlichen ihren Traum vom Segel zu verwirklichen. 12-16 jährige können mit ihr und Guppy auf Langfahrt gehen, tolle Sache.

SY Guppy, World Sailing Foundation

Der Wind ist extrem böig. Wir haben alle Windstärken zwischen 2 und 28 Knoten, oft im schnellen Wechsel. Besonders heftig wird es als wir den Vulkan Sofriere passieren. Hier wechselt der Wind in den Böen manchmal die Richtung. Für einen kurzen Moment hat er sogar eine Westkomponente, was normalerweise in der Karibik nie vorkommt. Da ist Konzentration gefragt. Der Skipper sitzt am Steuer, ich stehe an der Großschot, um sie auf sein Kommando dicht zu ziehen, falls der Baum, bei einem Winddreher auf die andere Seite schlägt. Erschwerend kommt hinzu, dass an der ganzen Küste immer wieder Fischerbojen ausliegen, denen escape ausweichen muss.

Wir nutzen eine Windpause, um das Grossegel zu reffen. Noch haben wir Landabdeckung. Wenn wir das Südende von Guadeloupe passieren und in den Kanal zwischen Guadeloupe und den vorgelagerten Inseln kommen wird der Wind erfahrungsgemäss stärker.

Und so kommt es. Sobald wir draußen sind bläst es heftig, escape legt sich auf die Seite. Der Skipper freut sich über den Wind und das Tempo. Auch die Wellen sind jetzt höher; für escape und den Skipper kein Problem, für mich schon. Ich sitze angespannt auf meinem Platz am Steuerstand der Leeseite (die dem Wind abgewandte Seite, die bei Schräglage unten liegt) und fühle mich nicht ganz wohl. Die Leeseite wird teilweise komplett von Wasser überspült. Das kannte ich bis jetzt nur von Bildern. Als mein rechter Fuss kurzzeitig knöcheltief in Wassers steht, hat der Skipper ein Einsehen. Wir verkleinern die Segelfläche und reffen ein zweites Mal. So rauschen wir hinüber zu den Îsles de Saintes.

Ich bin heilfroh als wir wieder in Landabdeckung kommen und der Wind dadurch etwas schwächer bläst. Wir holen die Segel ein und schauen uns nach einem geeigneten Platz für die Nacht um. In der großen Bucht vor der Hauptinsel Terre-de-Haut sind alle Bojen belegt. Also Ankern wir vor der kleinen Îsle Cabrit. Wieder einmal geht ein Segeltag zu Ende, den die beiden Crewmitglieder von escape völlig unterschiedlich wahrgenommen haben. Der Skipper hat es genossen, besonders das letzten Stück, wo der Starkwind unablässig geblasen hat. Ich dagegen fand es anstrengend. Aber ich habe auch das Gefühl, dass es mich weitergebracht hat und ich etwas dazugelernt habe. Eines steht fest: Morgen ist erst einmal Entspannung angesagt.

So verbringen wir den nächsten Morgen gemütlich an Bord von escape. Es hat immer noch viel Wind. Das Wetter ist sehr wechselhaft. Der Skipper übt sich mal wieder im karibischen Zweikampf. Sobald es regnet schliesst er fluchend alle Luken, um sie dann ein paar Minuten später wieder aufzureißen.

Nachmittags stabilisiert sich das Wetter und der Skipper drängt mich zu einem Landgang.

Erst habe ich gar keine große Lust von Bord zu gehen, doch der Ausblick bei unserer kurzen Wanderung lohnt sich.

Man hat einen guten Blick über die Bucht hinüber zur Hauptinsel.

Oben auf dem Hügel inspizieren wir die Überreste eines alten Forts.

Dann geht es zurück zu escape, wo wir den Abend entspannt ausklingen lassen.

Relevante Links

Laura Deckers World Sailing Foundation

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