escape nimmt Kurs auf die Voiles de St. Barth

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8. April: Von Green Island nach Falmouth
Von der Inselidylle auf Green Island segeln wir zurück ins quirlige Falmouth. Der wahre Wind kommt zuerst aus 150 Grad, doch dann fallen wir weiter ab und er kommt aus 170 Grad, also fast von hinten. Das ist kein guter Kurs für escape, aber nur mit Genua geht es. Wir haben zwischen 15 und 20 Knoten Wind und laufen 6 bis 7 Knoten. Auf dem Gegenkurs kommen uns zwei Katamarane entgegen. Sie kämpfen und stampfen heftig in den Wellen. Da möchte ich jetzt nicht drauf sein.🤮

In zwei Stunden sind wir in Falmouth. Nachmittags kommt ein Mitarbeiter des North Sails Teams. Er bringt das reparierte Staysail vorbei und näht eine Lattentasche an der Genua. Doch das ist leider nicht alles. Der Skipper hat eine kleine Beschädigung am Großsegel entdeckt. Zusammen mit dem North-Sails Team überlegen wir, was zu tun ist. Am Ende bauen wir das Großsegel ab, es geht ins Loft und wird noch einmal überholt.

Wir nutzen die letzten Tage in Antigua, um noch einmal unsere Lieblingsrestaurants zu besuchen. Am ersten Abend essen wir italienisch im Abracadabra. Auch wenn der Name ein bisschen seltsam klingt, gibt es hier authentisch italienische Küche. Der Patrone ist jeden Abend selber dort und präsentiert die Spezialitäten seiner Küche mit viel Enthusiasmus. Am nächsten Abend gehen wir zu Isabel und Eric in die französische Brasserie in English Harbour. Auf dem Rückweg hören wir Live Music aus dem Admiral’s Inn, Wir schauen noch spontan dort vorbei und gönnen uns zum ersten mal in den letzten drei Jahren einen Drink in der schönen Bar. Bis jetzt haben wir immer nur draußen gesessen, weil uns das COVID-technisch sicherer erschien.

Die Brasserie hat jetzt zwei nette Mädels, die morgens ofenfrische Croissants🥐 und Baguettes🥖 ans Boot bringen. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen😋.

Dank einer Nachtschicht des North Sails Lofts kommt das Grossegel schnell zurück.

Das brauchen wir auch dringend, denn jetzt beginnt eine neue Etappe für escape. Wir haben uns angemeldet für die Voiles de St Barth, eine der grössten Regatten der Karibik. Vor einigen Monaten hatte CNB alle Eigner angeschrieben, um für die Teilnahme an der Voiles de St Barth zu werben. Wie so oft war auch hier die Meinung der escape Crew zweigeteilt. Ich war eher skeptische, der Skipper jedoch Feuer und Flamme. Keine große Überraschung, der Skipper hat sich durchgesetzt😉. Wir haben uns angemeldet, eine Crew zusammengestellt und alles organisiert, was für die Teilnahme notwendig war. Den Aufwand für die Vorbereitung der Regatta haben wir deutlich unterschätzt. Aber jetzt ist es soweit. Mal sehen was St Barth für uns bereithält.

11. April: Von Falmouth nach Jolly Harbour
Morgens früh nehmen wir in Falmouth unsere ersten Crewmitglieder an Bord. Die beiden Mädels haben wir über andere Segler in Falmouth empfohlen bekommen. Sie haben sich als erfahrene Seglerinnen vorgestellt, zusammen gesegelt sind wir bisher noch nicht. Dafür haben wir jetzt die nächsten beiden Tage auf dem Weg nach St. Barth. Der erste Schlag geht bis Jolly. Der Skipper gibt eine kurze Einweisung dann geht es los, Wir haben einen entspannten Törn nach Jolly Harbour. Das türkisfarbene Wasser leuchtet bei unserer Ankunft.

12. April: Von Jolly Harbour nach Gustavia
Um 6.30h gehen wir Anker auf. So kommen wir hoffentlich bei Tageslicht in Gustavia an.

Wir haben einen wirklich schönen Segeltag, die 70 Meilen können wir auf einem Bug absegeln. Der Wind kommt mit 15-20 Knoten konstant aus 130 Grad . So geht entspanntes Segeln⛵️🤩. Das hatten wir lange nicht mehr. Alle vier Crewmitglieder genießen den Törn.

Um 15.30h haben wir St. Barth vor dem Bug.

Wir sehen schon eine Rennyacht, die gründe „Vesper“, eine TP 52, sozusagen die Formel 1 des Segelns.

Am ersten Ankerplatz will man uns nicht haben, der Skipper der hinter uns ankernden Yacht schreit wir sollten verschwinden. Er meint, wir wären zu nah an seinem Anker. Mein Mann ist jedoch der Meinung, dass alles richtig ist. Mir ist das nicht geheuer. Mittlerweile hat sich noch ein Nachbarlieger eingeschaltet. Selbst wenn wir korrekt geankert haben, möchte ich hier nicht bleiben, wo alle uns wegjagen wollen. Das ist ja eine nette Begrüßung in St. Barth. Wir fahren weiter und finden einen Platz in einer anderen Ecke, wo witzigerweise ein Schwesterschiff von escape liegt. Es ist allerdings nicht für die Regatta angemeldet. Hier können wir in Ruhe den Sonnenuntergang geniessen.

Abends bleiben wir an Bord. Am nächsten Morgen fahren wir alle vier mit dem Beiboot in den Hafen. Das Einklarieren am Computer im Hafenbüro geht erfreulich einfach, wie überall auf den französischen Inseln. Unser Liegeplatz ist noch durch eine große Motoryacht belegt. Nachmittags können wir dann in den Hafen, das Anlegen klappt trotz viel Wind gut. Der Liegeplatz ist nicht schön. Unangenehme Fallwinde kommen über die Berge. escape zieht heftig an den Leinen. Abends gehen wir Sushi essen.

14. April: Toiletten-Alarm
Der Tag beginnt mit einer schlechten Nachricht: Die Bootstoilette in der Gästekabine ist verstopft. Wie kann das sein? Wir sind seit drei Jahren mit escape unterwegs und hatten nie Probleme mit den Toiletten. Meine Hoffnung, dass sich das ganze mit „Abfluss frei“ und Warten wieder auflöst, wird leider nicht erfüllt. Also heisst es die ganze Sauerei abpumpen, die Toilette komplett ausbauen und auseinandernehmen. Des Skippers Laune ist auf dem Tiefpunkt. Während wir an der Beseitigung des Problems arbeiten sagt die Dame, die das verursacht hat: „Ich gehe dann mal joggen“. 😡 Wenigstens hilft unser anderes Crewmitglied fleißig mit alles wieder sauber zu bekommen. Schließlich findet sich die Ursache: ein dickes Feuchtpflegetuch. (Für alle Nichtsegler: Bootstoiletten vertragen nur sehr wenig und sehr dünnes Papier. Die meisten Segler werfen das Papier in einen Eimer neben der Toilette). So etwas wie Feuchtpflegetücher darf dort auf keinen Fall ‚rein)

Unfassbar, von jemandem der sich als profesionelle Bootscrew vorstellt, sollte man doch wenigstens erwarten können, dass die Bedienung der Toilette bekannt ist. Jetzt habe ich allerdings auch Bedenken ob der angeblich vorhandenen Segelkenntnisse. Nach dieser Aktion müssen wir uns beeilen. Der Skipper muss noch einiges am Boot vorbereiten und ich die zweite Gästekabine, denn heute kommen noch zwei weitere Crewmitglieder an.

Als Erstes kommt Michele, ein italienischer Schweizer, der über eine Crewbörse Kontakt zu uns aufgenommen hat. Aus dem Flugzeug hat er uns diese schöne Luftaufnahme von St. Barth mitgebracht:

Michele hilft direkt bei den nötigen Bootsarbeiten und bereitet mit dem Skipper den Gennaker vor.

Abends gehen wir in die Bar de l’oubli die „Bar des Vergessens“. Das passt ja heute😜 und die Burger und Salate sind auch gut.

15. April: Erster Trainingstörn
Am nächsten Tag fahren wir dann zu sechst zu einem ersten Trainingstörn hinaus. Rings um St. Barth gibt es viele Felsen und Mini-Inseln, die den Kurs spannend machen. Die sind während der Regatta auch schon manch erfahrenem Skipper zum Verhängnis geworden.

Es ist ordentlich Wind und Welle. Wir lassen es langsam angehen. Da die beiden North Sail Profis erst heute Abend kommen, bleibt er Gennaker im Segelsack. Wir machen einige Wenden und Halsen und ich merke, das vieles nicht rund läuft. Das Ein- und Ausrollen der Vorsegel klappt nicht gut, offenbar hat ein Teil der Crew hier wenig Übung.

Wir sehen die schöne Vesper in Aktion.

Nach einer Weile bemerken wir, dass das Großsegel zwei kleine Risse hat 😯. Und das obwohl es doch gerade erst repariert wurde. Also machen wir Schluß für heute. Es gibt noch einen kurzen Badestopp. So können alle einmal das klare Wasser von St. Barth geniessen. Dann geht’s zurück in den Hafen.

Glücklicherweise ist Yves, ein ehemaliger North Sails Mitarbeiter, der ab morgen mit uns segelt, gerade angekommen. Er veranlasst, dass das Großsegel sofort ins temporäre North Sails Loft gebracht wird. Hoffentlich bekommen wir es morgen zurück.

Dumm gelaufen, noch bevor die Regatta richtig begonnen hat, haben wir den ersten Schaden. Jetzt fehlt uns der nächste Tag als Trainingstag, den wir dringend benötigt hätten.

Hafen von Gustavia, im Hintergrund escape am Dock

Relevante Links

Restaurant Abracadabra, Falmouth, Antigua
Restaurant Brasserie D’Antigua
Admiral’s Inn, Nelson’s Dockyard

Offizielle Website der Voiles de St. Barth Richard Mille

6 Kommentare

  1. Wir hatten mal einen Mitsegler, der ein abgebranntes Strecihholz in die Bordtoilette geworfen hat – und dann zu allem Ueberfluss nicht gesagt hat, dass die Toilette verstopft war, und auch der Nachfolger hat’s zu spaet bemerkt. Ich habe unseren Skipper nie so fluchen gehoert!
    Ich selber habe – aus Bloedheit – auch mal eine Bordtoilette verstopft. Zum Glueck aber nur bei einem Reinigungsversuch, und nicht nach einem „Geschaeft“. Die habe ich aber auch selber wieder in Ordnung gebracht.

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    1. Ja die Bordtoiletten sind schon ein Problem für sich. Beim nächsten Mal werde ich keinen auf die Toilette lassen bevor er nicht eine genau Einweisung bekommen hat und es werden drakonische Strafen angedroht🤣🤣🤣
      Aber wenn Du es ja selber wieder in Ordnung gebracht hast, dann ist es ja OK.

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      1. Ich haette es besser wissen muessen, denn es war schon weit in mein Seglerleben hinein, als ich schon laenger selber geskippert bin. Und das andere Mal, da war ich noch zweiter Mann und Navigator, hatte unser Skipper uns genaue Anweisungen gegeben, Man muss sie eben nur beachten!

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