Voiles de St. Barth: Aus und vorbei

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19. April: Testsegeln mit Hindernissen
Die Regatta beginnt heute um 10:00h, da ist unser Großegel noch nicht von der Reparatur zurück. Es ist schon ein komisches Gefühl im leeren Hafen zurückzubleiben.

Als das Segel mittags fertig ist, geht es hinaus zu einer kurzen Testfahrt. Wieder fahren wir in die weite Bucht, um in aller Ruhe das Segel anzuschlagen. Danach machen wir einen lockeren Übungstörn. Doch trotz guter Bedingungen läuft es nicht rund. Wieder passieren viele unnötige Fehler. Wir haben mehrfach Überläufer auf der Winsch beim Ein- und-Ausrollen der Genua. Das passiert uns sonst nie. Das Aus- und Einrollen der Vorsegel läuft normalerweise problemlos. Dann zeigt sich noch ein Riß am Unterliek der Genua. Das ist ärgerlich, schon wieder ein kaputtes Segel. Wir fahren zurück in den Hafen.

Der Skipper und ich beratschlagen uns. Wir sind beide der Meinung, dass wir genug Lehrgeld bezahlt haben. Es ist an der Zeit das Experiment „escape segelt Regatta“ abzubrechen. Wir besprechen uns kurz mit Yves unserem North Sails Pro aus Frankreich. Er ist sichtlich erleichtert, dass wir uns so entschieden haben. Auch beim Rest der Crew stösst unsere Entscheidung auf Verständnis. Das war’s dann. Von fünf geplanten Renntagen bei der Voiles de St Barth sind wir nur einen mitgefahren.

Wir machen einen Spaziergang hinauf zum Leuchtturm, um ein bisschen Abstand zu bekommen.

Trotz unserer gedrückten Stimmung lässt uns der Ausblick von hier oben nicht kalt.

In dem kleinen Park am Leuchtturm machen die Schildkröten einen Abendspaziergang.

Unten im Ort sieht man das allabendliche Verkehrschaos.

Wie geht es jetzt weiter?

20, April: Nachbereitung

Der Skipper würde am Liebsten gleich den Ort unserer Schmach verlassen, doch es gibt noch viel zu tun. Vor der Regatta haben wir, wie alle anderen Yachten auch, alles unnötige vom Boot an Land geräumt. Jetzt muß alles mühsam wieder zurück geschleppt und vor allem verstaut werden. Der Anker war kurzzeitig vom Boot getrennt und muß wieder hochgeholt werden. So sind wir noch einen Tag gut beschäftigt.

Ein Teil der Crew kommt auf anderen Regattayachten unter, so daß für sie die Voiles de St Bath weitergeht. Auch unser Navigator, den wir nach dem ersten Renntag verabschiedet haben, ist mittlerweile auf einem anderen Boot untergekommen.

Abends ist dann noch die Crewparty am Strand. Der Strand ist allerdings mit Abstand der hässlichste von St. Barth, direkt neben dem Industriegebiet. Für eine genau abgemessen Portion Hühnercurry auf dem Plastikteller muss man sich eine Viertelstunde lang anstellen. Irgendwie hätte ich mir so eine Party auf St Barth etwas mondäner vorgestellt. Aber bei der Veranstaltung ging es wohl nur darum möglichst schnell möglichst viel Alkohol zu trinken, dann ist die Umgebung auch wieder schön😂. Vielleicht bin ich aber auch nur zu alt dafür😉.

Was haben wir gelernt?

  1. Der organisatorische Aufwand für die Vorbereitung der Regatta war deutlich größer als gedacht
  2. St. Barth als Zentrum des internationale Jet Sets hat nicht die gleiche Infrastruktur wie andere Karibikinseln. Pensionen, Hostels oder günstige Ferienhäuser sucht man hier vergebens. Auch die Anreise ist sehr umständlich, was die Logistik für die Crew zusätzlich erschwert.
  3. Die Auswahl der Crew erfordert viel Fingerspitzengefühl. Man sollte niemanden ins Team nehmen, mit dem man nicht vorher gesegelt ist, um festzustellen ob es seglerisch und menschlich passt.
  4. Die nötige Crewstärke für unser Boot bei einer ambitionierten Regatta sind mindestens 12 erfahrene Segler, eher mehr, es sei denn man verzichtet auf das Vorwindsegel
  5. Man braucht genügend Trainingstage, so dass sich die Crew aufeinander einspielen kann.
  6. Eine Regattateilnahme bedeutet eine enorme Belastung für das Boot, es ist wahrscheinlich, dass dabei einiges zu Bruch geht
  7. Unser Segelyacht ist unser Zuhause, damit macht man keine Experimente

Fazit: Unserer armen escape werden wir nie wieder eine Regatta zumuten.

4 Kommentare

  1. Ist sicherlich sehr schade, dass es nicht geklappt hat mit eurer Teilnahme an der Regatta, aber ich denke, es war die richtige Entscheidung, wenn man so deinen Beitrag liest.
    Liebe Grüße und genießt eure Zeit auf der Escape,
    Roland

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